04. Dez. 2025
Viele Männer fragen sich, wo ihre ursprüngliche Kraft geblieben ist, diese rohe Energie, die sie noch als Jungen hatten, bevor Schule, Erwartungen und »sei brav« über alles gelegt wurden. Viele spüren, dass da etwas in ihnen schläft, etwas Eingesperrtes, Ungezähmtes. Aber viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Was bedeutet es also, diesen wilden Mann wiederzufinden? Ist er vielleicht gefährlich? Oder ist er genau das, was einem Mann heute fehlt, um sich wieder lebendig zu fühlen?
Und was passiert denn eigentlich, wenn der wilde Mann in uns jahrelang unterdrückt wurde, zum Beispiel durch Erziehung, durch Scham oder Überanpassung? Heute sprechen wir über den wilden Mann, die Kraft, die ein Mann braucht, um seine Freiheit, seine Instinkte und seine Lebendigkeit wiederzufinden. Wir schauen darauf, warum dieser Archetyp so wichtig ist, wie er sich heute ausdrücken darf und was passiert, wenn ein Mann diese wilde Seite wieder integriert.
Heute haben wir Folge 3 unserer Reihe »Die sieben Archetypen des Mannes«. Wir beschäftigen uns wieder mit den sieben Fragen, waren es, glaube ich, sogar. Wozu existiert dieser Archetyp?
Was zeichnet ihn in seiner reifen Form aus? Wie zeigt sich sein Schatten oder seine Verzerrung? Wie drückt er sich heute aus und wie vielleicht früher?
Was integriert den wilden Mann? Was schenkt er einem Mann, wenn er gesund gelebt wird? Und wie zeigt sich der wilde Mann im Alltag?
Ja, ich habe wieder Axel dabei. Axel, ich freue mich, dass du deine Weisheit wieder mit in unseren Kreis aus zwei Männern trägst und natürlich in den Kreis aller Zuhörer, die hier dabei sind. Axel, wenn wir vom wilden Mann sprechen, wozu braucht ein Mann denn diese ursprüngliche Kraft in sich eigentlich?
Axel:Ja, vielleicht ist die Frage nicht so ganz korrekt. Nicht wozu, sondern wie hat er verlernt, diese in uns eingeborene Kraft zu leben? Und das ist in der tiefen Wirklichkeit unserer Wesensnatur.
Also diese Kraft oder auch diese Energie, nennen wir das mal auch eine Form von Energie, die ist uns hier eingeboren. Du hast es ja schön gesagt. Wie ist uns diese Energie oder der Zugang zu dieser wilden, wahren Wesensnatur verloren gegangen?
Ursprünglich, und das ist ein schönes Wort für den wilden Mann, Ursprünglichkeit. Diese ursprüngliche Kraft, in der wir stehen, die ist ja nicht weg. Das, was sich wie immer in all diesen Facetten irgendwie so zeigt, dass wir den Kontakt zu diesen Qualitäten oder zu diesem Bild, das Wilde in uns, das Ungezähmte, das Ursprüngliche, dass wir den Kontakt dazu verlieren.
Und das hat natürlich ganz viel auch mit unserer Geschichte zu tun, wie wir vielleicht auch in der Weise unterstützt worden sind oder eben auch gehemmt wurden. Und in vielen Fällen, würde ich sagen, sind wir auch über und durch Erziehung entkoppelt worden von dieser ursprünglichen Kraft in uns. Und das hat ja Folgen.
Du fährst ja wohl zu, ich würde sagen, wie können wir eher wieder lernen, diesen Kontakt zu dieser in uns Wohnungen Kraft herzustellen. Und das, was ja die Folge ist, wenn wir diese Kraft nicht wirklich frei, also auch in der Form von Autonomie, was ja auch eine Unabhängigkeit bedeutet, leben können, werden wir den anderen Teil, nämlich die Unfreiheit und die Abhängigkeit wählen. Und das haben wir alle in uns.
Also sagt mir einen, der nicht auf eine gewisse Weise auch sich abhängig fühlt von etwas. Und das hat ja eine sehr frühe Grundlage in uns. Ja, das ist ein spannendes Thema.
Und wenn wir auf den wilden Mann schauen und auch auf das Thema Autonomie, was ja auch eine Form von Freiheit bedeutet in der essentiellen Wirklichkeit, steht ja das Wilde auch für die Freiheit. Wir sind ja freie Wesen, so sind wir angelegt. Nur was daraus entsteht, auch über den Lebensprozess, ist, dass wir darüber auch in eine gewisse Unfreiheit geraten.
Und wenn wir vom wilden Mann sprechen und auch das Wort Autonomie, dann dürfen wir lernen, uns erstmal unserer Abhängigkeit zu stellen. Das ist die Aufgabe. Und das würde ja auch wieder den Zugang zu dem vielleicht schaffen, was wir diese ursprüngliche, wilde, ungezähmte Kraft nennen.
Ja, und das ist ein ganz spannender Prozess. Und das hat ja so viele Facetten, auch gerade bei vielen Männern. Das ist ja so, es ist immer das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Nähe.
Wie kann ein Mann sich wirklich auch einlassen auf Beziehungen zum Beispiel? Das ist so ein großes Thema, dass wir in dieser ursprünglichsten Situation ja eins waren mit dem Weiblichen. Ich meine, das ist so eine Aussage, die ich ja fast in jedem Kreis sage, dass der Mann sich bewusst werden darf, in welch tiefer Abhängigkeit wir zum Weiblichen stehen.
Zum Teil immer noch.
Daniel:Du hast gerade etwas Wichtiges angesprochen. Du sagst ja häufig auch, die männliche Energie strebt nach Freiheit. Also tragen wir alle als Männer ja dieses Grundbedürfnis nach Freiheit in uns.
Also das ist ja fast schon instinktiv. Und Lebendigkeit scheint da ja auch irgendwie drin zu stecken. Also dieses Loslösen von Erwartungen, von Normen, von Regeln.
Dieses über Grenzen, hast du gerade gesagt, auch hinweggehen, Grenzen sprengen. Das ist ja auch etwas, was unsere Lebendigkeit irgendwo fördert und nährt. Was passiert denn mit einem Mann, wenn der wilde Mann jetzt, also der Archetyp des wilden Mannes, unser innerer wilder Mann über Jahre hinweg unterdrückt wird?
Axel:Ja, du hast es schon gesagt. Also wir leben nicht wirklich diese freie Lebendigkeit in uns. Und ich mag diesen Archetyp des wilden Mannes, weil der mir sehr auch nahe ist, weil da geht es ganz viel um Körperlichkeit.
Also ohne körperlichen Zugang oder ohne Körperbewusstsein, wer wir in der Tiefe sind, passiert erstmal gar nichts. Und das hast du vielleicht auch ein paar Mal im Männercamp gehört, wie viele Männer von sich sagen, ich bin nicht mehr lebendig, ich fühle mich wie eingesperrt. Und das ist ja kein Hexenberg, wenn man Männer wieder in ihre Lebendigkeit führt und dann so sieht, was für eine Strahlkraft, was für eine Lebendigkeit, was für eine Freude auf einmal so spürbar wird.
Also Freude und Lust am Leben. Und das finde ich immer sehr beeindruckend, wie sozusagen dieser Prozess in einem Mann wieder grundgelegt werden kann, dass er sich rückbindet an diese ursprüngliche Lebenskraft. Also das schöne Wort, was ja Lebenskraft auch bedeutet, ist ja Aggression.
Auch das Wort ist so belegt in unserem gesellschaftlichen Bewusstsein. Aggression wird sofort immer mit Gewalt verbunden. Aber das ist es ja nicht.
Aggression ist die Grundkraft des Lebens und die hat eine Richtung, die richtet sich nach vorne. Die will in das Leben hinein, die drückt auch aus, ich nehme das Leben ganz zu mir. Und das sind ja Impulse, die in gewisser Weise auch in der frühen Zeit sterben.
Wir verlieren den Kontakt dazu. Und insofern finde ich, wenn wir wieder Mut haben, uns dieser Wirklichkeit auch zu stellen und zu schauen, wie bin ich eigentlich in dieser Autonomie oder in dieser Wildheit, in der Tiefe, dann braucht es den Körper. Und unser Körpersystem ist Pulsation, Vibration und Fließen.
Das ist die Grundwirklichkeit unseres Daseins, unserer Existenz. Und ich erlebe das so häufig, wenn Männer wieder diese Durchlässigkeit finden, wie eine Form auch von Befreiung bedeutet. Und auf der anderen Seite erlebe ich das männlich, aber auch in einer gewissen Weise, ich nenne es mal so, wie auch kastriert.
Auch kastriert über und durch das, was geschehen ist, dass diese Ursprünglichkeit in uns ganz weit nach hinten gefallen ist. Wie viele Männer stehen zu ihrer Wildheit? Und ich mag auch diesen Begriff dieser wahren Wesensnatur, und das hat ganz viel mit der Natur zu tun.
Jetzt im Männercamp, ich habe gestern auch mit einem Kollegen da gesprochen und auch gesagt, Mensch, was passiert denn so eigentlich in der Natur? Wieso machst du es denn in der Natur, das Männercamp? Und die Erfahrung ist ja entstanden, auch mit Männern in der Natur so psychodynamische Prozesse zu machen.
Da habe ich mich auch gefragt, was passiert da eigentlich? Also diese Räume, die da aufgegangen sind, die waren für mich sehr beeindruckend. Also da kam in der Tiefe dessen Ursprüngliches zurück.
Und ich nenne das, wie ein tiefes zelluläres Erinnern, wer wir in der Tiefe sind. Und wir sind nicht nur Teil der Natur, sondern wir sind Natur. Und das Wilde repräsentiert das in einer unglaublichen Weise, die Wildheit.
Deswegen auch das schöne Buch von dem Eisenhans, der Wilde Mann. Das ist ja die Metapher dafür. Wir lernen dürfen aus diesem Käfig der Zivilisation und Gesellschaft auszubrechen.
Das beinhaltet immer irgendwie auch diesen Schlüssel, und das ist natürlich ein ganz großes Thema, gerade für uns Männer, auch was mit dem Wilden zu tun hat, dass wir den Schlüssel unter dem Kopfkissen der Mutter lernen dürfen zu klauen. Und damit verletzen wir das Mütterliche. Und du weißt das, ich weiß das, in vielen Fällen spüren Männer das auch, wie sehr sie immer noch muttergebundene Söhne sind.
Und das macht ja immer an beiden Seiten. Einerseits die unglaubliche Sehnsucht, sich zu lösen, und auf der anderen Seite vielleicht auch die Aggressionen, die sich dann auch gegen das Weibliche richten, weil sie spüren, sie kommen nicht frei.
Daniel:Also was für ein großes Spannungsfeld. Du bist gerade schon ein bisschen in das Thema eingestiegen, was den Wilden Mann in seiner reifen Form auszeichnet. Ich habe die Idee, dass ein reifer, wilder Mann nicht impulsiv oder unkontrolliert ist, wie es ja oft auch suggeriert wird vielleicht, dieser wilde, ungestüme Typ Mann, sondern dass er schon irgendwie auch eine tiefe Erdung und Wachheit in sich trägt.
Und das wird ja zum Beispiel in dem Buch, was du gerade auch angesprochen hast, im Eisenhans, da geht es ja ganz viel um den wilden Mann, der am Grunde des Sees wohnt und den jungen Prinzen aus seiner Struktur reißt, sage ich mal. Wie siehst du das denn? Woran erkennt man einen Mann, der seine Wildheit, von der du immer wieder sprichst, auf gesunde Weise integriert hat und auch ausdrücken kann?
Axel:Ja, also das ist eine spannende Frage, Daniel. Also im besten Falle hat das was mit Autonomie zu tun. Autonomie heißt für mich, dass der Mann weiß, dass er ist, wie er ist und dass er was zu geben hat.
Die meisten Männer sind meiner Meinung nach noch nicht an diesem Punkt, sondern die stehen, auch wenn sie sagen, ich brauche hier nichts, aber in der Tiefe vielleicht auch in einer Abhängigkeit, auch in einem Mangelbewusstsein und glauben immer noch oder meinen immer noch, dass sie etwas bekommen müssen, um ganz zu sein. Und ich glaube, das ist ein großes Spannungsfeld. Also auch zu lernen, und da sind wir ja wieder bei dieser frühen prägenden Zeit, all das, was wir so als Mangel in uns tragen, dürfen wir ja lernen, uns dem zu stellen.
Das hat ja dann auch viel wieder mit der Verletzung zu tun. Also man kann immer sagen, die Archetypen, die sind ja nicht voneinander getrennt, sondern die unterstützen sich ja gegenseitig mit diesen Qualitäten. Und letztendlich ist es ja etwas, wo etwas in uns, in ein Bewusstsein fällt von diesen Qualitäten, von dieser Form, die wir sind.
Und im Kern kann man das ja nur leicht versuchen zu aktivieren und sich auf den Weg machen. Und so ist der wilde Mann natürlich eins, der viel über das Unten weiß. Also wenn man das Zentrum annehmen würde beim wilden Mann, dann ist das unten das Wurzelzentrum.
Das ist so ein Beckenboden, da wo die Ursprünglichkeit hier angelegt ist, wo das Feuer ist. Und diesen Zugang wieder zu kriegen, also sich in der Weise auch wieder damit verbinden zu lernen. Und du weißt, ich mache ja gerne diese Atemarbeit und sage mir, Feuer braucht Luft.
Wenn die Flamme unten im Zentrum nur wenig Luft gibt, dann entsteht da nicht wirklich Kraft. Also wie kann ich meinen Körper auch in eine bestimmte Form der Freiheit wieder führen? Und da fängt das für mich ganz explizit auch mit dem Atem an.
Wenn wir nicht wirklich mehr den freien, lebendigen Atem aktivieren, dann leben wir auf Spaßnahme. Dann hat das wirklich so was wie, wir nehmen die Lebenskraft raus und unterdrücken uns mit dieser Lebendigkeit. All das.
Ich meine, es gibt ja so gerade beim wilden Mann diese fünf Haars, das nennt sich das ja. Das ist Hoden, Haare, Herz, Hals und Hirn. Das sind die fünf Zentren, die der Mann sozusagen in sich wieder aktivieren darf.
Und das hat natürlich eine Folge, dass er sich sozusagen auch, und ich mag das Bild, wenn diese Zentren belebt sind oder befeuert werden, dann hat das was Aufrichtendes.
Daniel:Ich hatte gerade einen schönen Impuls, als du vom Atem gesprochen hast. Es gibt ja in der Bibel dieses Bild von Gott hauchte dem Mann durch die Nase das Leben ein. Also das ist ja auch schon eine Metapher, die sehr über den Atem geht.
Dass quasi über den Atem das Leben in uns geflossen ist. Und du hast auch gerade gesagt, die meisten Männer wollen noch was haben, um ganz zu sein. Und hier drückt sich ja auch die Geschichte des wilden Mannes im Eisenhans aus.
Der Junge will vom wilden Mann seine goldene Kugel, die für Lebenskraft steht, wiederhaben. Und die meisten Männer, so wie ich das meine zu spüren oder wahrzunehmen, suchen genau nach diesem wilden Mann in sich. Also um wieder ganz zu werden.
Und das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt, den wir hier mal fett hervorheben dürfen, dass die meisten Männer nach etwas suchen, was sie eigentlich in sich tragen, aber sich verbieten. Und jetzt kommen wir auch gleich, vielleicht ist das eine schöne Überleitung, zum Schatten dieses Archetyps. Oft bricht ja der wilde Mann unkontrolliert aus oder er ist komplett weggesperrt.
Und wie siehst du das denn? Wo zeigen sich die Schattenformen dieses Archetyps heute am deutlichsten?
Axel:Ja, ich würde sagen, so übergeordnet ist das so etwas wie eine Pseudoautonomie, die so dargestellt wird. Also wie viele sich in gewisser Weise meinen, frei zu fühlen und das irgendwie versuchen, über auch vieles Äußere so darzustellen. Aber in der Tiefe, also ich bin ja viel mit Männern unterwegs, entdecke ich häufig so diese, ja fast auch wie eine Form der Unfreiheit, sich dem wirklich zu öffnen.
Weil da ist ja, ich sage mal, wieder das Tor. Wir reden ja immer vom initiatischen Prozess und da stellt sich immer so auch etwas dar wie ein Tor. Durch das wir lernen ja, uns hindurch zu fühlen und hindurch zu gehen, aber im tieferen Sinne ist es ja ein hindurchfühlen.
Und an diesem Punkt überformen die Männer das. Sie stellen etwas dar, was sie in der Tiefe nicht sind. Ich weiß gar nicht, wer hat das denn gesagt?
War das nicht unser Jan, der da so ein Lied singt? Sie spielen den Mann. In dem Text hat er das, glaube ich, so ganz schön ausgedrückt.
Weil in gewisser Weise sie nicht verbunden sind mit dieser Ursprünglichkeit. Und ich sage jetzt nicht, dass das irgendwas Schlechtes ist oder Wertendes. Das ist die Folge von bestimmten Prozessen, die nicht gelaufen sind.
Das Ringen um das Wilde in uns, das braucht ja eine Richtung, das braucht eine Form, das braucht auch eine Unterstützung, das braucht auch ein Dahinführen. So sagt der wilde Mann ja auch, wenn du mit mir kommst, zeige ich dir ungeahnte Möglichkeiten des Lebens. Und dann wird natürlich spürbar, welcher Raum sich dann öffnet.
Welche tiefe Lebendigkeit sich dann vielleicht zeigen will. Welche Freude, welche Lust oder auch welcher tiefe Wille, das Leben wirklich auch anzunehmen. Also das ist schon eine große Herausforderung für viele.
Und viele Männer stehen oder sind auch zum Selbstschutz in so etwas gegangen wie in eine Verweigerung. Die halten sich ganz bewusst zurück, auch aus vielen Ängsten heraus. Du hast es vorhin auch angesprochen.
Was wäre denn, wenn der Mann diese Kraft wieder in einer guten Weise lebt? Also wir wissen ja, dass wir diese Kraft haben. Das ist ja immer das Verrückte.
Und ich bin auch überzeugt, dass früher oder später etwas in uns so anklingt wie ein Ruf. Also wie das etwas in uns danach ruft. Dieses Wilde, das Ungezähmte, das Freie ins Leben zu tragen.
Viele machen halt bestimmte Prozesse im Äußeren und fühlen sich dann wild und frei. Das hat häufig ganz viel auch mit der Natur zu tun. Leute, die so Bergsteigen machen, die wirklich auch Herausforderungen suchen, wo es irgendwie auch geht, an Grenzen ranzugehen.
Es gibt ja so einen schönen Film, Jäger des Augenblicks. Da gibt es so eine Szene, wo er sagt, wie mache ich das? Dann erklimmt er eine unglaubliche Steilwand.
Und dann ist er oben, die Hand auf diese Oberfläche von diesem Berg. Und dann merkst du, wie in ihm sich etwas Unglaublich Weites öffnet. Da kommt so eine Lust, so eine Freude.
Wenn ich so etwas wie ein existenzielles Erleben von Sein sehe, dann fühlt er sich zutiefst verbunden mit der Natur und dem eigenen Sein. Und das ist etwas sehr Ursprüngliches. So sind wir angelegt.
Daniel:Du hast gerade schon angedeutet, es gibt eine Auswirkung auch auf Beziehungen, wenn der wilde Mann fehlt. Kannst du das ein bisschen ausführen?
Axel:Ja, das ist relativ einfach. Ich meine, es ist immer schön, wenn wir auch über so ernsthafte Themen lachen können. Aber zeig mir einen Mann, der autonom ist, um dem Weiblichen wirklich angstfrei zu begegnen.
Die größte Abhängigkeit, die wir erlebt haben, war über unser mütterliches Prinzip. Neun Monate zellulär eingebettet in einem weiblichen Körper, der uns diesen Raum schenkt, dass wir entstehen können, dass wir wachsen können. Und gleichzeitig stehen wir einer unglaublich tiefen Abhängigkeit zum Weiblichen.
Das spiegelt sich in einer unglaublichen Weise auch in vielen Beziehungsfeldern wider. Dass der Mann sich nicht frei fühlt, dass er meint, er braucht die Frau oder muss sie immer fragen oder braucht eine Erlaubnis, dem eigenen zu folgen. Das ist ein großer Konflikt nach wie vor in unserer Gesellschaft.
Und auch hier sind die Männer in gewisser Weise auf der Strecke geblieben in der Entwicklung. Weil diese ganzen Abnabelungsprozesse, Richard Rohr schreibt ja auch, jeder Mann braucht eine zweite Geburt. Ich habe noch einen schönen Text hier gefunden, den können wir vielleicht am Ende lesen.
Da geht es nämlich darum, ich habe viele Jahre auch das Männerprojekt mitgemacht. Da waren wir auch der Archetyp des wilden Mannes und da haben wir eine Geburtshütte gemacht. Also Schwitzhütte in der Form von Geburtshütte.
Und das war so elementar, das war immer wieder beeindruckend. Und dann hat der Mann einen Erfahrungsbericht geschrieben, was es eigentlich heißt. So in dieser Ursprünglichkeit, Schwitzhütte immer auch repräsentativ für die Gebärmutter.
Und da sind viele Männer natürlich der Mutterwunde auch begegnet in diesem Prozess. Und was da so hervorkam und wie viel Schmerz da war und wie viel Treue da auch war, die Mutter nicht verletzen zu wollen, sondern immer die Mutter noch zu schonen. Und das ist natürlich ein großer Prozess.
Indigene Völker, die wussten darum. Die haben gesagt, hier Schluss, aus, vorbei mit der Mutter. Dann sind sie da halt eingefallen und haben den Sohn von der Mutter weggeholt, damit er irgendwie frei wurde für diese auch vielleicht wilde männliche Kraft.
Und das ist ja nach wie vor, ich sage immer, die meisten Männer stehen noch in der erweiterten Gebärmutter. Die sind nicht wirklich abgenommen. Und das drückt sich zum Beispiel in vielen Fällen in Beziehungen aus.
Wenn wir jetzt Frauen dabei hätten, die würden vielleicht in vielen Fällen auch bestätigen können, dass sie ihren Mann in gewisser Weise als bedürftig erleben. Nicht, dass er wahre Bedürfnisse hat, sondern eher, dass sie ihn bedürftig erleben. Und das ist was Kindliches.
Also da, wo etwas in unserer Entwicklung nicht weiter reichen konnte, sind wir stecken geblieben.
Daniel:Ich habe auch etwas erlebt in meiner eigenen Sexualität, innerhalb der Beziehung. Ich habe die schon immer als relativ zufriedenstellend erlebt für mich. Und dann hat sich aber nach dem Männercamp, in dem ich vor drei Jahren war, doch massiv was verändert, was auch Lisa sehr überrascht hat.
Also auch eine gewisse Wildheit in der Sexualität wiederzuentdecken, die wir ja oft auch unterdrücken aus Angst, der Partnerin vielleicht irgendwie zu viel zuzumuten oder so. Was kann denn noch passieren, wenn wir Teile in uns in verschiedenen Lebenssituationen unterdrücken? Wie zeigt sich das in so einer Überanpassung vielleicht?
Jetzt nicht nur in der Beziehung, sondern auch in anderen Aspekten.
Axel:Da muss man sich nur umschauen. In vielen Fällen, wenn wir das, was wir ursprüngliche Lebendigkeit, nicht leben, werden wir krank. Der Körper wird früher oder später somatisieren und wird uns darauf hinweisen, um welchen Prozess es vielleicht in der Tiefe auch gehen will, oder wo wir uns lernen dürfen, auch hinzuwenden, um das wieder ins Leben zu rufen.
Ich spreche immer auch, dass wir von Anbeginn an in etwas stehen, ich nenne das jetzt mal Bestimmung. Das ist uns eingeboren. Und die Bestimmung ist ja jetzt nichts Großartiges im Äußeren, sondern die Bestimmung, in der wir stehen, ist, dass wir ganz zu dem Mann werden, so wie wir angelegt sind.
Das ist die Bestimmung. Und dieser Bestimmung zu folgen, das braucht viel Mut. Das hieß ja auch, sich erst mal von vielem Äußeren zu lösen.
Wir definieren uns ja viel auch über das Äußere. Auch das ist ja so ein Reflex. Deswegen entstehen ja auch ganz viele Abhängigkeiten.
Wenn so ein Mann einen Berg besteigt, er muss immer den Berg besteigen, um sich frei zu fühlen, stimmt auch was nicht. Dann ist das auch wieder eine Struktur. Wie können wir in uns diesen Aspekt oder diese Wirklichkeit der Autonomie entwickeln und geerdet zu leben?
Und ich finde, da ist das nächste Lieblingswort von mir. Wenn wir von Bilden sprechen, dann ist das etwas sehr Erdiges. Diese Verbundenheit mit der Erde zu fühlen, das Unten.
Wir haben eher eine energetische Bewegung, die nach oben geht. Und das schreibt ja auch hier der Bleyen. Und dass wir in unserer Gesellschaft schon seit vielen Jahrhunderten den wilden Mann ausgelagert haben, der existiert gar nicht mehr.
Und das Verrückte ist ja, dass auf einmal so eine unglaubliche Angst vor dieser Wirklichkeit in uns entstanden ist. Wie du schon sagst, was ist denn, wenn ich meine wilde, freie Sexualität an die Frau bringe? Das wäre ja auch schön, wenn die Frau auch diese Kraft des Männlichen lernt zu nehmen.
Jetzt sind wir wieder in so einem Bereich, das ist das uralte Bild, dieser Geschlechterkampf und Opfer und Täter, das grenzt so viel ein. Aber in der Tiefe, so wie wir angelegt sind, hat das eigentlich im tieferen Sinne eine unglaublich ergänzende Qualität. Also wenn der Mann ganz in sich ist und ganz sich hat und die Frau auch, wenn der Mann in seiner Männlichkeit geeignet und geerdet ist und die Frau in ihrer Weiblichkeit, was sind das für wunderbare Kräfte, wenn die dann zusammenkommen?
Also ohne Anspruch, ich muss was haben von dir. Ja, und da gibt es ja ganz viele Konflikte. Jetzt auch nochmal mit einem Mann gearbeitet, der auch in diese ganz frühe Ebene zurückgefallen ist, wirklich wie ein einjähriges Kind auf einmal hier vor mir saß.
Und dann kam das Bild dieser großen Verlassenheit. Und der hatte wirklich eine frühe Erfahrung mit einem Jahr mit der Lungenentzündung ins Krankenhaus gelegt worden. So klar, das war ja auch eine gewisse Notwendigkeit.
Und dann hat er das Bild nochmal so gefühlt hier in der Sitzung und gesehen, wie die Eltern hinter einer Glasscheibe stehen, winken und drehen sich um und gehen. Daraus ist natürlich eine unglaubliche tiefe Verletzung auch entstanden oder das Prinzip der Wunde, eine unglaublich große Angst vor Verlassenheit, vor Verlassenwerden. Und ich würde sagen, ich kenne ihn auch schon länger, den Mann, dass er sein Leben lang immer versucht hat, alles zu tun, um nicht verlassen zu werden.
Und genau das Gegenteil passiert auch jetzt wieder. Dass die Frau irgendwie jetzt auch formuliert und sagt, ich fühle mich wie in einem goldenen Käfig und will sich trennen. Und für ihn bricht der ganze Raum zusammen.
Und da werde ich damit sagen, wie früh die Themen auch grundgelegt sind, woraus dann so etwas wie diese tiefe Abhängigkeit entstanden ist. Zu sagen, ich brauche den Kontakt zu den Eltern, in dem Fall natürlich primär noch mit einem Jahr zur Mutter. Und dann geht die.
Schon ist die Wirklichkeit eine andere.
Daniel:Du hast gerade auch von Extremsport gesprochen oder von diesen Bergsteigen. Das ist ja so eine Form von Extremsport auch. Begegnen wir heute dem wilden Mann eher in solchen gesonderten oder speziellen Situationen, weil kein Raum mehr in unserer Gesellschaft ist?
Früher war der wilde Mann ja oft Teil von Ritualen. Es gab ja Tanzrituale, wo frei und wild getanzt wurde. Es gab Initiationen, es gab Jagden, wo auch der wilde Mann natürlich eine große Rolle gespielt hat.
Wie siehst du das denn? Hast du Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, wie der wilde Mann früher Teil der Gesellschaftsformen war und inwiefern wir ihn verloren haben?
Axel:Das Erste, was mir kommt, ist natürlich, wir haben den Kontakt zur Natur verloren und damit auch zu dieser Wildheit. Das spiegelt sich ja wieder. Wir sind hinter Mauern, wir sind sozusagen eingesperrt, wir bewegen uns in festen Räumen.
Und dieser Kontakt zu dieser freien, wilden Natur ist darüber auch in uns verloren gegangen. Ich mag das ja, du kennst das ja auch, gerade das Männercamp, sieben Tage in der freien Natur zu sein. Oder auch wenn zum Beispiel Vision Quest, wo die Menschen, Männer und Frauen, dann wirklich bereit sind, sich wieder rückzubinden an das, was wir, diese wilde Freiheit.
Und das Schöne ist ja in dem Augenblick, wenn die rausgehen in die Natur oder in die Wildnis, wird das innere Eigen natürlich da auch wieder berührt. Das ist natürlich ein tiefer initiativer Prozess und all das ist ja in unserer Gesellschaft so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Das heißt, durch die Entwicklung oder ich sage mal so gesellschaftliche Bewegungen, die wir gemacht haben, haben wir uns selber in gewisser Weise auch entkoppelt.
Wenn man so kleine Kinder sieht, wenn du die in den Wald schickst, wie die das genießen. Aber wo läuft das noch? Wo läuft das noch?
Die meisten Kinder werden in der Stadt groß. Ich glaube, es gab einmal so einen Wissenschaftler, der hat gesagt, die größte Entwicklung der Menschheitsgeschichte war in dem Augenblick, wo wir sesshaft geworden sind. Und damit haben wir auch so etwas wie die Wildheit auch entkoppelt.
Das Wilde, das Ursprüngliche, den Bezug zu der Natur. Das ist eine unglaubliche, tolle Qualität, sich mit der Natur zu verbinden und zu erkennen, ich bin nicht nur ein Teil der Natur, sondern ich bin auch Natur. Und darin impliziert sich meiner Meinung nach auch ganz viel das Wilde, auch dieses Erleben von Freisein, Freiheit.
Etwas anderes als in der Stadt.
Daniel:Definitiv. Ich erlebe das ja auch hier aktuell. Ich bin ja auch aufs Dorf gezogen und die Natur hier hat schon eine andere Qualität als die Natur in der Stadt, in Anführungsstrichen, wenn man das überhaupt so Natur nennen kann.
Es ist schon ein Unterschied, ob hier irgendwo ein Pferdekopf plötzlich am Wegesrand liegt oder ob du einfach nur so sterile Wälder hast. Wenn wir jetzt über diese Erfahrung sprechen, kommen wir mal zum Punkt, was integriert denn den wilden Mann? Der wilde Mann will ja nicht erzähmt werden, sondern er möchte ja diese Wildheit integrieren.
Wie siehst du das? Was braucht denn, du hast gerade schon von Natur gesprochen. Ist die Natur ein guter Anfangspunkt?
Was kann man noch machen, um mit dem wilden Mann wieder in Kontakt zu kommen?
Axel:Einladen würde ich jedem Mann, auch wieder bewusst den Kontakt zur Natur suchen, aber jetzt nicht unbedingt in dem Sinne, da viel in der Natur machen zu müssen, sondern sich wieder vielleicht in der stillen Weise mal einen Platz zu suchen in der Natur, sich mal hinzusetzen, auch die Erde und den Boden, das Unten zu spüren, das aktiviert fast von alleine irgendwie auch diese Kraft. Wir werden spüren, wie sich etwas anbinden und rückbinden will, alleine über den Kontakt zur Natur. Natur ist ja die Quelle, finde ich, auch unserer Wildheit.
Natur hat immer einen großen Vorteil, die hat kein Ego. Die Natur ist unmittelbar, die drückt alles in einer unglaublichen freien Form aus. Und wenn man wieder Kontakt oder eine Wahrnehmung kriegt, und der wilde Mann hat ja auch eine unglaubliche Qualität, der braucht ja gar nichts, aber der darf wieder lernen, so sinnenhaft zu werden, riechen, schmecken, fühlen, so dieses Begreifen.
Das sind ja alles unglaubliche Möglichkeiten, uns auch über und mit der Erde, also mit uns selber und mit diesem Teil der Natur wieder zu verbinden. Und natürlich braucht es immer den Körper, sich auch wieder mit dem Körperlernen auseinanderzusetzen. Wie frei ist dein Atem?
Wie durchlässig bist du in deinem Körpersystem? Also wir haben ja alle gelernt, muskulär uns in einer unglaublichen Weise auch anzuspannen. Oder wir haben lernen müssen, uns auch psychisch abzuspalten.
Und all dieses sind ja Vorgänge, die ja zu einem bestimmten Zeitpunkt zutiefst notwendig waren. Und die Folge ist davon, dass wir den Kontakt zu dem, was wir in der Ursprünglichkeit unseres Seins sind, verloren haben. Und der Körper ist eine unglaublich gute Leitschnur, um das Wilde in mir wieder zu entdecken.
Und das ist eben nicht nur dieses Huga-Huga-Huga oder sowas, das macht nicht die Wildheit aus. Das wäre eine Möglichkeit. Im Kern geht es ja darum, sich wieder mit dieser Qualität in uns zu verbinden.
Und das natürlich auch in einer bestimmten Form, auch in einer verantwortlichen Form zu leben. Aber wenn wir in dieser Tiefe, in dieser Ursprünglichkeit nicht die Autonomie entwickelt haben, bleiben wir immer verhalten, wir schauen immer wieder, wir passen uns an. Ich meine, das ist auch so ein Teil, was wir vorhin so mit Beziehung, wie viele Männer leben an Gastheit.
Weil sie genau schauen, was will die Frau, wie soll ich sein, was erwartet sie von mir. Und damit sind wir schon weg. Eigentlich haben wir uns da schon verloren.
Ich kenne ja meine Worte, ich habe schon häufig gesagt, wenn der Mann versucht, der Frau gerecht oder sich der Frau entsprechen zu wollen, dann hat er verkackt. Weil die Frau genau spürt, das, was er tut, ist nicht frei, da ist keine Autonomie. Sondern er will über diese Anpassung etwas haben.
Das hat eine Folge, auch für die Beziehung, dass in vielen Fällen die Frau auch die Achtung vor dem Männlichen an diesem Punkt verliert, wenn er haben will. Und das darf sich ändern. Das sind ja alles schöne Worte, aber auch da, wie viel Mut braucht es, sich diesen Öffnungen oder diesen Wirklichkeiten wieder zu stellen und das wieder in sich zu entdecken und zu erforschen.
Also auch diese Erforschung dieser ganzen Abhängigkeiten. Das ist ja eines der größten Herausforderungen, wenn es um Freiheit geht. Die Freiheit ist ja nicht, ich kann mich da irgendwie überall hinbewegen, hinfahren und Berge erklimmen.
Sondern die eigentliche Freiheit oder das eigentlich Wilde in uns und das Weide erlebe ich, dass wir lernen dürfen oder diesen Zustand wieder aktivieren, unseren Strukturen nicht mehr folgen zu müssen. Das ist wahre Freiheit. Das heißt, wir lernen in gewisser Weise, in uns und bei uns zu bleiben.
Zu bleiben heißt, verankert zu sein, deankert zu sein oder gegründet zu sein, verbunden sich zu fühlen und da heraus das Leben zu gestalten. Und da heraus in der Welt zu sein, mit viel Lust, mit Freude, auch mit dieser Lebendigkeit, die ja eigentlich nicht gezügelt werden will. Also wozu?
Wir haben ja alle lernen müssen, diese ursprüngliche Lebendigkeit in Formen und Strukturen zu führen. Ich habe gestern nochmal den Teaser gesehen von unserem Drillen, wo der Christoph erzählt, da haben wir diese Bioenergetik-Übungen gemacht. Das sind ja häufig so, über diese Körperorientierte Form haben wir ja sozusagen Zugang gelegt, dass diese verfestigten Körperstrukturen durchlässig werden.
Und was kam dahinter, trotz diesem Schmerz, der sich drauf gelegt hat, aber dahinter diese Freude? Was hat der gelacht? Was war das wie eine Form von Befreiung, dass all das, was sich hinter dieser Struktur zurückgenommen und gehalten wurde, das ist wie so eine Öffnung.
Und auf einmal kommt diese Freude und die Lebenslust wieder raus. Und ich finde das immer großartig, wenn Menschen oder Männer oder auch Frauen sich diesen Öffnungen oder diesen Prozessen auch stellen. Weil ich denke mal, was haben wir denn zu verlieren?
Was haben wir zu verlieren? Wir können nur was zurückgewinnen, was wir verloren haben. Und das ist natürlich ein Teil unserer Lebendigkeit.
Daniel:Ich möchte hier an der Stelle, das ist, glaube ich, die beste Stelle, um das anzubringen, die Integration des wilden Mannes. Ich habe das ja jetzt schon drei Jahre erlebt. Intensive Männerkreise, zum Beispiel das Männercamp, am besten eingebettet in die Natur, körperliche Arbeit und ein Raum, in dem wir uns eben diese Masken abnehmen können, in dem wir frei aussprechen können und dafür nicht bewertet oder diskreditiert oder sonst irgendwas werden.
Das ist ein guter Übungsraum, um den wilden Mann wieder ein bisschen Raum zu geben. Ob das nun ist, ich spreche einfach aus, was mich gerade beschäftigt, scham- und tabufrei. Oder ich bewege mich einfach mal auf Arten, die ich mich vielleicht sonst nicht traue, mich so zu bewegen.
Ob das nun Tanz ist oder auch eine Form von Selbstausdruck oder Uga-Uga, wie du es vorhin so schön genannt hast. Oder ich werfe mich mal in den Matsch. Du hast auch gesagt, dieses tiefe Verbinden mit der Erde ist auch so ein Prinzip des wilden Mannes.
Das kann also tatsächlich dabei helfen, Kontakt aufzubauen mit dieser Energie oder mit diesen Qualitäten in uns. Wenn wir das erledigt haben, also wenn wir wieder mit diesem wilden Mann in uns Kontakt aufnehmen konnten und wenn wir spüren, okay, ich möchte ihm mehr Raum in uns geben. Was schenkt er denn einem Mann?
Wir haben gerade schon viel von Autonomie gesprochen. Hast du noch andere Qualitäten, die ein Mann zurückgewinnt, wenn der wilde Mann in ihm integriert ist?
Axel:Ja, was macht uns als Mensch aus? Freude, Liebe, Frieden. Das sind ja so Grundessenzen, die wir in uns tragen.
Das, was natürlich auch ein großes Thema in unserem Menschsein ist oder auch in unserem Mannsein, ist das Thema Wert. Wie fühle ich meinen Wert im Sein? Das sind ja alles so kleine Schritte oder kleine Tore, wo wir das Gesamte, was wir so Sein nennen können, wieder in uns aktivieren oder vielleicht auch wieder wiederfinden und uns damit verbinden können.
Ich finde auch gerade noch mal so einen Aspekt, der geht vielleicht so ein bisschen verloren gerade, das ist natürlich der wilde Mann und die Sexualität. Ich habe ja lange Jahre das Projekt da mitgeleitet und so entdeckt auch danach, es gibt so etwas wie einen Kernarchetypen des Mannseins und das ist der fallische Mann. Das ist die Ursprünglichkeit dessen, wie und in welcher Weise wir Mann sind.
Ich kann das auch benennen und zwar, da liegt die größte Kraft in uns und das ist dieses stöpferische, befruchtende Prinzip, in dem wir stehen. Das ist die Urkraft und vielleicht der Urauftrag in unserem Mannsein, dass wir diese Kraft und das hat natürlich was mit Sexualität zu tun, sexueller Kraft. Der Fehler oder der Fehler ist so blöd, aber das, wo viele sich sozusagen einengen, ist, dass sie die Sexualität nur auf das Weibliche legen und meinen Sexualität lebe ich nur mit dem Weiblichen.
Ich sehe das anders. Also die sexuell schöpferische und befruchtende Kraft darf sich doch auf mein Leben richten. Wie befruchte ich mit dieser Wildheit, mit dieser sexuellen, schöpferischen Kraft mein Leben?
Es ist und bleibt ein sexueller Akt. Egal wo du hingehst, unterliegt auch dieser sexuellen Kraft. Also eigentlich kann man auch sagen, Leben ist auch Sexualität.
Dieses ständige, befruchtende, ständige Werden, das ständige Vergehen, das ist alles ein Kreislauf, in dem wir stehen. Und auch das wäre ja ein unglaublicher Gewinn, wenn ein Mann wieder diesen Zugang zu seiner ursprünglichen Freiheit oder falschen sexuellen Kraft gewinnt. Und dann gewinnen wir den, aber die Folge ist ja, dass er lernt auch dazu zu stehen.
Ja, ich bin ein sexueller Mann. Ich stehe zu dieser ursprünglichen Kraft in mir. Und jetzt kannst du dich ja mal umdrehen, wie viele Männer würdest du sehen, die das genau in sich tragen?
Und wirklich gelernt haben, zu dieser ursprünglichen Kraft zu stehen und das in einer gewissen Weise auch natürlich zu leben.
Daniel:Nicht so viele tatsächlich. Ich glaube aber, dass das eng im Zusammenhang mit dem steht, worauf ich gerade hinaus wollte. Wenn du dir jetzt so einen typischen Männerkreis anschaust, woran mangelt es am meisten?
Am meisten?
Axel:Also ich finde, eine Grundlage, die ich so erkenne, dass viele Männer kein Bewusstsein von bestimmten Prozessen haben. Da mangelt es dran. Ich glaube, ich habe einfach großes Vertrauen in das Leben, dass egal Männer oder Frauen auch über und durch das Leben darauf hingewiesen werden, bewusster auch mit diesen Prozessen lernen, sich dem zu stellen oder sich auch dafür zu eröffnen.
Das schöne Wort ist ja, dafür sind ja Krisen wunderbar. Und auf der anderen Seite frage ich mich, müssen wir immer erst Krise haben, bevor wir uns in Bewegung setzen? Uns dafür zu öffnen und uns kennenlernen wollen in der Tiefe, wer bin ich da eigentlich?
Was unterdrücke ich? Wie mache ich das? Wie unterbinde ich meine Lebendigkeit?
Das finde ich so spannend, zu sehen, wie wir gelernt haben, uns eigentlich zu verweigern. Also im Kern leben wir so einen autoaggressiven Prozess. Aber angelegt sind wir doch anders.
Und all das, was so auch dann selbstzerstörerisch wird, das ist ja vielleicht grundgelegt gewesen, auch in einer frühen Situation, wo wir darauf reagieren mussten und natürlich daraus auch Strukturen entwickelt haben, die erstmal natürlich dienlich waren und natürlich auch das Überleben gesichert haben. Und wenn du fragst, dann würde ich sagen, ja, wir dürfen wieder lernen, so in der Tiefe herauszufinden, wer wir da wirklich sind und auch diesen Prozessen zu öffnen. Und lerne deine Struktur kennen, die dir so viele Jahre, Jahrzehnte gedient hat.
Aber du bist ja mehr wie diese Strukturen.
Daniel:Ich löse mal das Rätsel auf. Du hast es schon sehr häufig heute angesprochen. Was ich immer so merke, ist tatsächlich, es fehlt die Lebensfreude.
Und dafür steht ja der wilde Mann auch irgendwo. Oft die meisten Männerkreise, die ich erlebe, ob das jetzt in Dresden ist oder in Männercamp, da mangelt es an Lebensfreude. Es ist einfach wirklich dieses abgeschnitten sein von dem eigenen inneren Antrieb, von der eigenen Bestimmung, von dem eigenen Leben, dessen, was halt in mir drinsteckt.
Und jetzt haben wir schon mehrfach über Regeln und Grenzen auch gesprochen. Um Autonomie geht es ja. Wie kann ein Mann denn seine Wildheit leben, ohne sozial auffällig zu werden?
Axel:Das sind jetzt gute Fragen. Was spricht dagegen auch, auffällig zu werden, also das zu leben. Und ich glaube, das ist ja auch die Freiheit zu haben, seinen Emotionen einen Lauf zu geben, seiner Kraft irgendwie Ausflug zu geben.
Aber natürlich in der Weise, dass ich darüber andere nicht verletze. Aber diese Wildheit zu leben, und manchmal ist es, wie du schon sagst, einfach nur mal einer Frau zum Beispiel an der Ampel zu sagen, Mensch, du bist eine schöne Frau. Das ist schon Ausdruck von Autonomie.
Es gab ja mal einer, der sagte, der hat die dann in die Fußgängerzone geschickt, da mussten die Frauen ansprechen. Und wie viele Männer Angst davor haben, wirklich das Weibliche anzusprechen. Im Camp haben wir ja auch über das Thema Sexualität gesprochen.
Und da war ich auch in gewisser Weise, ich will gar nicht sagen entrüstet, aber erschrocken von den Männern, die da was gesagt haben. Also keiner hat irgendwie gesagt, ich habe eine erfüllte Sexualität. Das waren alles Prozesse, Schwierigkeiten, zurückgenommen sein.
Viele Männer legen ja sozusagen ihre Sexualität in die Hände der Frau. Dann hat die Frau, und bestimmt die Frau, wie, in welcher Weise. Also das sind ja alles, was hat das mit Autonomie zu tun?
Und dann sind wir wieder bei dem Punkt, und ich finde, das ist auch eines, was so wachsen darf, dass wir lernen, zu unserem Mannsein, auch in dieser Tiefe, zu dieser Qualität, zu stehen. Ja, ich bin ein wilder, sexuell, von mir aus auch falliger Mann. Und das Fallige ist ja auch ein schöner Begriff.
Also Ausdruck der Erektion ist ja, dass er sich aufrichtet, ausrichtet und auf das Weibliche zugeht. Und sich damit auch natürlich riskiert. Wie viele Männer haben das erlebt, zur Rückweisung von dem Weiblichen?
Wie tief das geht, zurückgewiesen zu werden mit dieser Kraft? Und ich meine, kann man jetzt nicht sagen, dass die Männer nur Themen haben, die Frauen haben ja auch ihre Themen. Ich habe es ja vorhin schon mal gesagt, also eine gereifte Frau achtet und kann diese Sexualität auch nehmen.
Und umgekehrt darf der Mann natürlich auch erst mal lernen, zu dieser Kraft zu stehen und die auch in sich zu aktivieren.
Daniel:Ja, ich habe bei deinem Beispiel gerade gedacht, das ist sozial schon problematisch, in unserer heutigen Gesellschaft auf eine Frau zuzugehen und ihr einfach nur zu sagen, dass sie eine schöne Frau ist. Das ist schon schwierig heutzutage. Aber wie verrückt ist das denn?
Axel:Was wird dann da gleichzeitig in der Frau aktiviert, wenn ein Mann auf das Weibliche zugeht und sagt, Mensch, du bist eine schöne Frau. Aber das wird sofort bewertet. Sofort läuft da was ab.
Also wie frei sind wir da? Wie frei ist das Weibliche? Oh, danke, freut mich.
Daniel:Wenn wir von Freiheit sprechen. Ich habe jetzt mal ein paar Beispiele. Ich habe nämlich, Chat-GPT wieder gefragt, welche historischen Figuren am ehesten den Archetypen des wilden Mannes verkörpern.
Und ich gehe jetzt zeitlich mal rückwärts. Ich fange an mit Grigori Rasputin. Er kam aus ärmlichen sibirischen Verhältnissen, betrat den russischen Adelshof und scherte sich keinen Deut um Etikette, Moral oder gesellschaftliche Erwartungen.
Rasputin verkörperte eine Form von wilder Spiritualität, ekstatisches Beten, Körperlichkeit und krankartige Riten. Seine Ausstrahlung, sein Blick, seine Art zu sprechen wirkten auf viele wie ein Naturereignis. Menschen warfen ihm gleichzeitig Heiligkeit und Verderbtheit vor.
Ein Mann aus der Wildnis, der im Zentrum des Imperiums plötzlich Einfluss hatte. Genau diese Spannung macht den wilden Mann aus. Er gehört nirgendwohin und wirkt genau deshalb überall.
Alkoholexzesse, sexuelle Ausschweifungen, der Ruf eines Heilers und zugleich eines Skandalträgers. Rasputin war die Verkörperung ungefilterter männlicher Energie ohne Sicherheitsnetz. Die zweite Person ist Ediogenes von Sinope.
Er lebte in einer Tonne und er machte sich lustig über Besitz, Macht, Regeln, Höflichkeit und Status. Er sagte jedem ins Gesicht was er dachte und selbst Alexander dem Großen sagte er ergebe mir aus der Sonne. Er lebte nach dem Prinzip was der Mensch wirklich braucht ist wenig.
Er aß, schlief und lebte wie ein Tier und sah darin Freiheit. Er provozierte bewusst, masturbierte öffentlich, urinierte in der Öffentlichkeit um die Absurdität von gesellschaftlichen Normen zu zeigen. Für die Menschen seiner Zeit war er die buchstäbliche Verkörperung des Wilden.
Niemand konnte ihn bestrafen, kontrollieren oder kaufen. Seine Wildheit war philosophisch und total. Und die älteste überlieferte Figur ist Johannes der Täufer.
Er lebte bewusst außerhalb der Zivilisation, in der Wüste, in rauer Natur, ohne Besitz und ohne Komfort. Sein Kleid kamelhaar, seine Nahrung Heuschrecken und wilder Honig. Keine Inszenierung, kein Status, kein Luxus.
Er kehrte zum archaischen Grundzustand zurück, Mann, Natur und Essenz. Er war kompromisslos, er sagte Menschen offen was sie nicht hören wollten, egal ob einfacher Bauer oder König. Er ließ sich weder von römischer Autorität noch vom religiösen Establishment korrumpieren.
Kein Tempel, kein Amt, keine Hierarchie konnte ihn einordnen. Seine Spiritualität war nicht kultiviert, nicht höflich und nicht liturgisch. Er stand knietief im Fluss und rief Menschen auf, sich nackt der Wahrheit zu stellen.
Die Mächtigen empfanden ihn als Bedrohung und deswegen endete sein Leben auch. Und genau das ist auch irgendwo eine Dynamik des wilden Mannes. Er zeigt was andere verbergen und das macht ihn auch gefährlich.
Deshalb gerade meine Frage auch vorher, wie wir den wilden Mann leben können ohne sozial auffällig zu werden. Und jetzt so die Beispiele, die hier ausgespuckt werden, zeigen schon, dass der wilde Mann irgendwo auch aus dem Raster fällt und aus dem Raster fallen muss, um irgendeine Wirkung zu haben.
Axel:Das ist eine schöne Metapher. Es sind alle drei Personen eine schöne Metapher. Im Kern dürfen wir diese Radikalität in uns ins Leben tragen.
Und damit sprechen wir etwas aus und das geht auch aus der Unangepasstheit raus. Die größte Volkscharakteristik, die wir haben, ist die Normopathie. Wir sind alle angepasst an Formen, Strukturen, Systemen.
Und wie will denn dann etwas frei und wild sich ausdrücken? So sind wir in gewisser Weise eingesperrt oder fühlen uns eingesperrt. Und da ist eine große Sehnsucht, wenn du das so erlebst, wenn Männer das hören, dann wird sofort was aktiviert.
Also das Unangepasste, das Freie, den Ausdruck dessen, das bin ich.
Daniel:Und dazu stehe ich. Ich habe jetzt leider während des Vorlesens nicht auf dein Gesicht achten können. Wie hast du das empfunden?
Axel:Ja, ich fand das großartig. Das liegt mir ja auch nahe. Der wilde Mann ist mir doch immer sehr nahe.
Auch dieser Rückzug. Ich bin ja gerade selber in der Lebensbewegung. Weniger ist mehr.
Ich will all das Ganze drumherum nicht mehr. Das mache ich doch schon viele Jahre nicht mehr. Ich habe mein Leben reduziert auf Weniges.
Und auch jetzt meine Lebensbewegung, wohin sie geht. Also mich zieht es eher in die Natur und in die Stille. Und das hat auch etwas mit Wildheit zu tun.
Also mich auch rauszunehmen aus diesem Strom, dieser Wirklichkeit unserer Welt. Und auch das wäre ja eine Verantwortung, die ja jeder Mensch oder Mann oder auch Frau in sich trägt, zu schauen, was ist wirklich das, was mir im Inneren entspricht. Auch das wäre ja Ausdruck der Autonomie.
Und ich finde ganz bedeutsam ist ja, also alle drei Gestalten, die haben ja so etwas in sich getragen. Nämlich die Bereitschaft, die Konsequenz ihres Seins zu tragen. Die waren nicht abhängig.
Was fällt dir denn ein? Spinnst du? Oder wir wollen dich nicht mehr.
Also diese Form der Radikalität. Und ich finde, das ist ja für mich so eine Metapher, dass wir lernen dürfen, im besten Falle unserer Wahrheit oder unserem Herzen, wieder zu folgen. Und das auszudrücken, was und wie wir sind.
Da liegt eine große Lebendigkeit drin. Eine große Form von Freiheit.
Daniel:Dann wäre jetzt vor dem Abschluss noch ein guter Moment, um deinen Erfahrungsbericht zu verlesen, den du vorhin angekündigt hast.
Axel:Ja, ich gucke mal, ob er jetzt noch passt. Okay. Also das ist eine Erfahrung von einem Mann, der diesen wilden Mann-Aspekt, den Archetypen bei uns damals im Männerprojekt durchlaufen hat.
Und das Rituell, die Initiation war eben diese Geburtshütte. Und er hat das danach geschrieben, wie er das so erlebt hat. Und das nennt er so mein Neu-Ich.
Seit Tagen weiß ich, dass ich wieder geboren werde aus einer Schwitzhütte. Je näher die Zeit der Niederkunft kommt, desto öfter denke ich daran. Ohne Vorstellung, ohne Erwartung.
Auch das wird werden, wie es wird. Es ist soweit. Die Männer schweigen.
Auch ich bin für mich. Es wird ruhig in mir. Die Herde der Männer ordnet sich im Schnee.
Frierend kreist sie in die Hütte. Geborgene Enge, Feierlichkeit, Verbundenheit. Eine Idee in mir.
Alles meine Brüder in der Hütte. Tränen. Ich bin klar, stark da.
Ich genieße atmend. Ohne Vorstellung, ohne Erwartung. Schwüle, Schwärze, Stimmen, Ladung, Energie.
Ich bin da. Mehr Schwüle, mehr Schwärze, mehr Stimmen. Erste Reaktionen bei den anderen.
Mehr Enge. Enge ohne Geborgenheit. Atmung ohne Genuss.
Ich helfe. Lasse anlehnen. Greife stärkend den Nebenmann.
Beruhige mit meiner Stimme anderen Atem. Helfen stärkt mich, meine Struktur. Ich helfe.
Ich bin gut. Mein Muster. Es wird ernst.
Ich beginne auszuhalten. Helfen ist halt. Ich halte durch.
Ich halte fest. Immer mehr vergeblich. Kontakt entgleitet.
Ich gleite in mich. Ich atme. Es atmet mich.
Ich zerre mich raus. Bin wieder da. Bin wieder bei den Männern.
Und gleite wieder weg. Immer wieder. Es ist ernst.
Zarte Wände um mich. Meine Hülle in der Hütte. Ich bin Hülle.
Ich bin getrennt in mir. Von mir. Kein Handeln.
Reines Erleben. Überleben. Struktur vibriert.
Ich mache ins Stroh. Muster verschwimmt. Ich halte mich.
Es hält mich. Erste Männer werden geboren. Ich bin bei ihnen.
Weitere geboren. Ich will bei ihnen sein. Mehr geboren.
Ich spiele bei ihnen zu sein. Ich werde allein. Die Hülle sieht mich.
Ganz allein. Kampf. Zäden halten mich.
Es geht nichts mehr. Rücken beben. Ich muss raus.
Mein Kampf. Ich bleibe. Keinen Kontakt zu nichts.
Zu niemanden. Allein. Weniger enge.
Ich liege im Stroh. Atme. Erde.
Erde atmet. Auflösung. Keine Zeit.
Keine Struktur. Nur sein. Erdiges Sein.
Ein erster Gedanke huscht vorbei. Ich werde hier nicht sterben. Mehr Männer werden geboren.
Kämpfe. Schreien. In mir eine zarte Blüte.
Keine Idee. Kein Wollen. Nur eine Ahnung.
Ich werde hier nicht sterben. Ich werde nicht geboren. Ich werde mich gebären.
Ich mich. Ich allein. Allein ich.
Alle Brücken brechen. Alle Fäden reißen. Ich werde ich.
Nur ich. Ich bin ich. Die Ahnung verblüht zur Gewissheit.
Ich werde wissen. Ich bin Wissen. Ich werde mich alleine gebären.
Ich mich. Ich allein. Allein ich.
Alle Männer sind geboren. Ich bin allein. Ich bin soweit.
Die Helfer. Ich rede. Sie verstehen.
Sie spüren. Sie wissen. Meine Mutter.
Komm. Endlich. Endlich ist sie da.
Ich weine wütend. Schmerzende Tränen. Große Mutter.
Starke Mutter. Ich beiße Stroh. Meine Mutter.
Hier. Hier bin ich. Verzeih mir.
Vergiss mich. Ich muss dein Teufel sein. Jetzt.
Ich bin dein Teufel. Ich verlasse dich. Ich liebe dich.
Ich töte alles uns. Ich danke dir. Ich liebe mich.
Ich gebäre mich. Jetzt. Es ist so leicht.
Es ist so schön. Ich gleite wühlend hinaus. Nichts hält mich.
Nichts kann mich halten. Licht
Daniel:Stimmen, nasser Dreck, Licke, Luft, frische Luft, so frische Luft. Ich bin da, ich bin neu, ich bin Bernd.
Axel:Wow, also das hat mich jetzt echt bewegt. Also wow. Ja, lieber Zuhörer, vielleicht hat diese Folge etwas in dir angestupst oder auch dieser Erfahrungsbericht, eine Sehnsucht nach Freiheit oder nach Natur oder nach neuer Kraft.
Vielleicht erinnerst du dich auch an eine frühere Version von dir, die mutiger, lauter oder lebendiger war. Der wilde Mann ist kein Monster und keine Gefahr, er ist die Quelle deiner Lebenskraft. Die Frage ist nur, lebst du diese Kraft oder hast du sie weggesperrt?
Nimm dir gerne einen Moment nach dieser Folge und überleg mal, wo in deinem Leben würdest du dir mehr Wildheit, vielleicht mehr Mut oder mehr Instinkt wünschen? Und was wäre ein erster kleiner Schritt dorthin? Wenn du willst, teile gerne deine Gedanken mit uns.
Wir antworten persönlich. Axel, es war mir eine Freude. Ich nehme jetzt erstmal diese Erfahrung mit, deshalb mache ich es kurz und lasse mal diesen Erfahrungsbericht noch in mir wirken.
Daniel:Ja.
Axel:Wir sehen uns nächste Woche. Ich danke dir.
Daniel:Ja, ich danke dir auch, Daniel.
Axel:Bis dann. Ciao.