Der Krieger - Die 7 Archetypen des Mannes

21. Dez. 2025

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Darum geht es

Viele Männer spüren heute innere Unklarheit. Sie wissen, dass sie handeln müssten... und tun es nicht. Sie wollen Grenzen setzen, Entscheidungen treffen, Haltung zeigen... und ziehen sich gleichzeitig zurück, aus Angst, als zu hart wahrgenommen oder missverstanden zu werden. In dieser Folge sprechen Daniel und Axel über den Archetypen des Kriegers. Nicht als Kämpfer oder Soldat, sondern als innere Kraft für Ausrichtung, Klarheit und Verantwortung. Wir sprechen darüber: • warum der Krieger heute nicht überholt, sondern unterentwickelt ist • was Aggression wirklich bedeutet – als Grundkraft des Lebens, nicht als Ausdruck von Gewalt • wie unterdrückte Kriegerenergie sich gegen den Mann selbst richtet• warum viele Männer Entscheidungen vermeiden und Verantwortung delegieren • wie sich der reife Krieger von Härte, Kampf und Übersteuerung unterscheidet • welche Schatten entstehen, wenn diese Kraft verzerrt gelebt wird • wie Wille, Disziplin und Tatkraft wieder zugänglich werden • wie der Krieger heute im Alltag wirkt, in Beziehung, Beruf und Selbstführung Zum Abschluss greifen wir archetypische Bilder des Kriegers auf. Darunter Leonidas und David - als Spiegel für eine klare, integrierte Kriegerkraft. Diese Folge lädt dich ein, zu prüfen: - Wo weichst du Entscheidungen aus? - Wo spürst du inneren Druck, aber gehst nicht ins Handeln? Und wo wäre es Zeit, klar zu stehen? Folge uns auf Instagram: @the.generic.man @maennercamp107 Mehr zur initiatischen Männerarbeit & zum Männercamp 107: ⁠www.maennercamp-107.de

Transkript

Daniel:

Ja, es fehlt mal wieder den Männern irgendwas, sie können es kaum benennen, aber sowas wie Klarheit, Richtung oder es gibt auch diesen Begriff von Kante zeigen. Und gleichzeitig haben viele Angst davor als zu hart oder zu aggressiv oder als toxisch männlich wahrgenommen zu werden. Also ziehen sie sich zurück, passen sich an und machen lieber gar nichts, als etwas falsch zu machen.

Und irgendwo dazwischen sitzt der folgende Archetype, über den wir heute sprechen wollen, nämlich der Krieger. Nicht als Kämpfer, nicht unbedingt als Soldat, sondern als eine innere Kraft, die Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt. Die Frage ist, braucht der moderne Mann diese Kraft heute überhaupt noch oder ist sie ein Relikt aus einer Zeit, die vorbei ist?

Wir sprechen heute, wie gesagt, über den Krieger. Das ist der vierte der sieben Archetypen, die wir behandeln wollen in unserer Serie und wir nähern uns dem Archetypen wieder mit den sieben gleichen Fragen aus den letzten Folgen auch. Wozu existiert dieser Archetype überhaupt?

Was zeichnet ihn in seiner reifen Form aus? Wie zeigt sich sein Schatten oder seine Verzerrung? Wie drückt er sich heute aus und wie früher?

Was heilt oder integriert den Krieger? Was schenkt er einem Mann, wenn er gesund ausgelebt wird? Und wie zeigt sich der Krieger im Alltag?

Axel, ich freue mich, dass du wieder dabei bist und ich habe gleich eine wunderschöne Frage für dich. Wenn wir über den Krieger sprechen, dann fragen sich natürlich viele Männer heute ernsthaft, was soll ich denn heute damit anfangen? Wir leben ja nicht mehr in einer Welt, in der ich mit einem Speer rumlaufen muss.

Also wozu brauche ich diese Kraft im Jahr 2025?

Axel:

Also erstmal ist diese Energie oder diese Kraft in uns angelegt. Brauchen oder nicht brauchen ist ja so eine Frage. Wozu brauche ich sie?

In welcher Weise nutze ich sie? Oder in welcher Weise darf ich auch diese Kraft in mir entwickeln lernen? Weil der Krieger wie alle anderen Archetypen haben wir bestimmte Qualitäten und bei den Kriegern binden sich gute Qualitäten dran.

Du hast ja vorhin auch eingangs gesagt, dass viele Männer so etwas in sich tragen wie Orientierungslosigkeit, also nicht zu wissen, wo geht mein Weg hin, was ist mein Weg, die vielleicht nicht in der Bestimmung stehen, die nicht wirklich tief im Inneren verbunden sind, auch mit dieser Handlungskraft oder Tatkraft. Das sind ja alles Aspekte, die uns eingeboren sind, aber in gewisser Weise verloren gegangen sind oder auch belegt sind. Allein der Name der Krieger, der ist ja schon so was von belegt.

Krieg hat immer was mit Krieg zu tun und damit ist das schon in gewisser Weise belegt. Du weißt ja, die größte Kunst des Kriegers ist nicht mehr zu kämpfen. Das wäre die erfüllteste Form, aber mit dieser Energie in Kontakt zu sein, sozusagen auch Standpunkt zu vertreten, Grenzen setzen zu können, den Mut zu haben.

Das ist eine große Qualität des Kriegers, der nutzt die Grundkraft des Lebens und das ist ihm Aggression. Allein der Begriff Aggression ist auch schon wieder belegt. Aggression ist die Grundkraft des Lebens.

Es ist so belegt, dass daraus Gewalt entstanden ist und das ist auch eine Folge, wenn der Krieger nicht wirklich mit dieser Energie in Kontakt ist, dann wird er in gewisser Weise verletzend und gewalttätig. Das hat natürlich wiederum Folgen. Viele Männer sind Aggressionsgehemmt.

Ich habe mit so vielen Männern auch gearbeitet und immer wieder entdeckt, wie viele Männer diese Grundkraft des Lebens unterdrücken. Das ist nur so, wenn ich diese Kraft unterdrücke, damit ist sie ja nicht weg. Sie wird sich Wege suchen, auszudrücken.

In vielen Fällen kann das dann sein, dass sich diese Aggression gegen das eigene Leben wendet, also wie ein autoaggressiver Prozess.

Daniel:

Dazu ist diese Kraft des Kriegers im tieferen Sinne nicht gedacht. Da ist mir dieses Zitat eingefallen, gib einem Mann kein Schwert, ehe er das Tanzen gelernt hat. Das ist ja so eine alte keltische Weisheit.

Wenn wir uns die anderen Archetypen anschauen, welcher Archetyp ist denn dafür zuständig, die Schönheit zu erkennen?

Axel:

Man darf das nie so trennen und sagen, wer ist für was zuständig. Man kann bestimmte Qualitäten den archetypischen Bildern zuordnen. Im gewissen Sinne wäre das der Liebhaber, der das, was er liebt, auch lebt.

Das hat häufig viel mit Kunst zu tun, mit Eigenschaften, die das Leben in einer schönen Weise betrachten lernen. Das kann Sexualität sein, diese Liebhaberenergie. Das wäre dann sozusagen der Teil.

Gleichsam braucht es immer wieder auch diese Kriegerenergie. Wie viele Männer habe ich erlebt, die nicht in der Lage waren, eine Frau anzusprechen, weil sie Befürchtungen hatten, zurückgewiesen zu werden. Alleine das, eine Frau anzusprechen, das ist schon Aggredo.

Das ist schon diese Bewegung der Aggression. Ich gehe darauf zu. Das ist die Grundkraft des Lebens.

Ich gehe auf das Leben zu und stelle mich den. Du hast vorhin das Symbol des Schwerts benannt. Das Schwert hat eine große Symbolkraft.

Das war in vielen Bildern immer Ausdruck von einer Waffe. Gleichsam stand das Schwert symbolisierend für das Rückgrat. Deswegen war das auch immer so leicht gebogen.

Das war eine gesunde Spannkraft, die der Mann in sich entwickelt hat, stehen zu können, aufrecht zu sein. Auch eine gewisse Form der Loyalität umsetzen zu können, Grenzen setzen zu können. Das sind ja alles Voraussetzungen, um diese Kraft und diese Energie in uns zu entwickeln.

Aber wie immer, uns ist so viel Berufsein dafür verloren gegangen. In vielen Fällen wird diese Kriegerenergie gar nicht mehr gelebt. Und wenn, dann natürlich pervertiert.

Dann wird sie überrissen. Dann kommt da Gewalt raus und keine Form mehr, Grenzen zu achten. Sondern gehe ich einfach über Grenzen hinweg.

Das sind alles so Bereiche, wo wir uns in unserem jetzigen Leben 2025 nur umschauen müssen und entdecken können, wie wenig Kriegerenergie wirklich da ist.

Daniel:

Wenn wir uns jetzt nicht auf den Schatten konzentrieren, was würdest du sagen, was passiert mit Männern, wenn diese Kraft in ihnen fehlt, diese Ausrichtung, diese Klarheit, diese Kriegerqualitäten?

Axel:

Naja, ich meine, die fehlt denen ja nicht. Das ist immer so der Begriff oder das Wort. Es fehlt was.

Es fehlt nicht. Nur der Kontakt dazu und die Aktivierung dieser Energie, die geschieht nicht. So waren ja in frühen Kreisen, in indigenen Völkern, war das ja immer auch in der Schulung, auch mit dieser Form der Aggression, einen gesunden Umgang zu lernen.

Und natürlich hat das natürlich sozusagen auch eine gewisse Kampfbereitschaft, Risikobereitschaft mit sich gebracht. Und man kann ja jetzt wirklich noch mal schauen, was liegt denn dem Krieger zugrunde? Es gibt ja immer so Essenzaspekte in jedem Archetyp.

Und beim Krieger ist das ganz klar der Wille. Und das ist nicht der kleine Ich-Wille, der hier oben vom Kopf kommt. Ich will und ich will und ich will.

Sondern das ist mehr, wir nennen das immer so der getragene Wille. Also das ist ein tiefes inneres Zentrum. Man kann auch sagen, das ist das Hara, dieses Bauchzentrum, wo sich diese Kräfte, die aufsteigenden Erdkräfte und die absteigenden geistig-spirituellen Kräfte treffen.

Und da heraus handelt sozusagen der gereifte Krieger.

Daniel:

Wenn wir jetzt zum reifen Krieger kommen, Axel, das ist genau die zweite Frage, die wir uns ja stellen. Wenn Männer Krieger hören, denken sie sofort an Härte, Angriff, Konfrontation, was du jetzt schon gesagt hast. Dieses klassische Bild des Kriegers, der irgendwo auf einem Schlachtfeld anderen gegenüber tritt.

Ich würde gerne mal erklären, wie sieht denn eben dieser Krieger aus, der nicht zerstört, sondern der diese Ausrichtung verkörpert?

Axel:

Ja, das sind ja ganz praktische, einfache Beispiele. Ein Mann, der sozusagen nicht zu dem steht, was für ihn bedeutsam ist, schwächt sich. Wenn der Angst hat vor Zurückweisung, wenn er Angst hat, sich untergeben zu fühlen.

Es gibt ja so viele schöne Beispiele. Ein Arbeiter, der sich nicht wagt, zum Chef zu gehen und zu sagen, ich will mehr Geld haben. Das sind ja so Grenzen, die ja berührt werden, wo er lernen darf, für sich einzustehen.

Das ist in vielen Fällen nicht wirklich gegeben mehr.

Daniel:

Die meisten sinken weg. Mir geht es ja darum, was zeichnet denn den Krieger in seiner reifen Form aus? Du sagst immer, wozu sind die Männer nicht in der Lage, sondern wie geht es wirklich darum?

Axel:

Die wären in der Lage, für sich einzustehen. Aggredere heißt ja, auf das Leben zuzugehen und man darf es ja wirklich mal auf das eigene Leben betrachten. Das Leben selbst zu nehmen, Verantwortung für das eigene Leben wirklich zu übernehmen, das nicht mehr zu delegieren.

Das sind alles Qualitäten, die ein gereifter Krieger hat, weil der delegiert nicht mehr. Der steht für sich selber ein. Der setzt Grenzen, sagt ja oder nein.

Der stimmt dem zu oder sagt, nein, das ist nicht mein Weg. Das sind ja Möglichkeiten, die in vielen Fällen die meisten Männer so in sich nicht tragen. Wie viele sind im Zweifel, wenn es um Entscheidungen geht?

Und beim Krieger geht es in vielen Fällen um Entscheidungen. Entscheidungen würde er ja auch etwas nach sich ziehen und das wäre halt auch schon eine reife Form. Dann käme der Mann ins Handeln.

Ich würde nach wie vor sagen, wir sind eine nicht mehr handelnde Männergesellschaft. Wir reagieren auf vieles, aber das Handeln selbst als eine gesunde Qualität, also für etwas einzustehen oder etwas Überpersönliches zu gehen, sagen, das macht mir Sinn oder auch. Das kann man ja auf vielen Ebenen betrachten, dass ein Mann sich einsetzt, um den Planeten zu erhalten und dafür kämpft.

Das sind ja Ausdrucksformen davon, was einen gereiften Mann ausmacht.

Daniel:

Welche Haltung hat so ein Mann denn in Konflikten oder wenn er unter Druck steht?

Axel:

Ja, im besten Falle nicht aus der Emotion heraus zu handeln. Also, kann ich mal sagen. Du hast ja vorhin das mit dem Schwert gesagt und das impliziert ja letztendlich, ein Mann, der seine Wunde nicht kennt oder ein Krieger, der seine Wunde nicht kennt, wird natürlich dann irgendwie verletzend, weil der aus der Wunde heraus meistens handelt und reagiert und das hat häufig keine gute Folge.

Daniel:

Und wie geht dann ein reifer Krieger mit seiner eigenen Aggression um? Also, wenn wir jetzt Aggression aus dem gesellschaftlich etablierten Kontext heraus sprechen.

Axel:

Ja, im besten Falle hat er einen guten Kontakt dazu und kann irgendwie auch etwas so in sich entwickeln. Das ist ja auch eine Qualität des Kriegers, nämlich die Unterscheidungskraft. Also, wie viel Energie braucht die Situation?

Wenn viele überreißen, dann wird es eben halt dann wieder, sagen wir mal, vielleicht auch verletzend oder wird überzogen. Im Kern die gute Mitte zu finden, also zu spüren, wie viel Energie ist notwendig, um zum Beispiel hier eine Grenze zu setzen. Ich kann natürlich da alles reinsetzen und überrolle jeden damit oder sagen wir ins Stopp.

Daniel:

Jetzt lässt sich ja direkt anschließen, wie zeigt sich denn der Schatten oder seine Verzerrung? Also, ich kenne Männer, die sind äußerlich komplett ruhig, aber innerlich explodiert alles. Das lassen sie nur niemanden spüren oder sehen.

Und andere, die sind dauernd im Kampfmodus, obwohl niemand sie angreift. Das ist jetzt natürlich nicht nur auf Männer bezogen, sondern das ist ein menschliches Thema natürlich. Aber insgesamt wirkt es irgendwie oft unausgewogen.

Was läuft da schief?

Axel:

Ja, was läuft da schief? Ich glaube, das hat ja was mit Bewusstsein zu tun. Also, erst mal zu wissen, wie ich selbst verletzt bin und welche Reaktionsmuster ich darauf entwickelt habe.

Und viele sind einfach in der Tiefe so unglaublich geladen, also energetisch geladen. Und manchmal braucht es ja nur eine Situation und dann geht der Vulkan auf und dann schießt sich das alles in den Kontakt rein. Das wäre natürlich unangemessen.

Aber auch da, wie wenig Bewusstsein entstanden ist, dass man beigebracht bekommen hat, wie viel Energie braucht es und wie gehe ich mit dieser Energie, also mit der Kriegeenergie, auch gesund um. Ja, das ist sicherlich in vielen Fällen auch dann die Folge, dass sozusagen die einen das total unterdrücken und nach innen gehen. Und umso mehr sie das unterdrücken und abspalten, umso mehr Druck entsteht ja in denen.

Und dann, wie gesagt, dann braucht es ja nur irgendeine Situation und dann kommt die Entladung. Ich meine, ich mag einfach diesen Begriff dieser Durchlässigkeit nach wie vor. Man darf wieder lernen, irgendwie in einer gewissen Weise einen gesunden körperlichen durchlässigen Körper zu entwickeln.

Und dann hat er in gewisser Weise einen anderen Spielraum, mit den Lebenssituationen umzugehen.

Daniel:

Ich würde gerne, weil das beim Krieger meines Erachtens ein bisschen expliziter ist als bei den anderen Archetypen, und zwar gibt es ja hier eine überdrehte Form und eine sehr unterdrückte Form, die sich so als Schatten äußert, würde ich jetzt mal sagen. Kannst du die vielleicht nochmal ein bisschen expliziter ausführen? Weil das, glaube ich, beim Krieger hier eine große Rolle spielt, wie sich das gewichten kann.

Axel:

Ja, es gibt ja wie immer so Begrifflichkeiten. Also wenn sozusagen diese Kriegerenergie so überentwickelt ist in der Schattenform, dann ist das sozusagen der Sadist, der willentlich versucht, andere zu verletzen und diese Energie nicht förderlich einzusetzen. Dann gibt es ja etwas wie eine unterentwickelte Form, ein Mann, der gelernt hat, diese Energie zurückzuhalten.

Der hat dann eine große Opferbereitschaft, der dann nicht irgendwie in der Lage ist, auf eine Grenze zu sein, sondern stoppt. Der legt das sozusagen auf sich drauf, und jetzt kann man wieder sagen, was ist die Folge? Der eine reagiert über und der andere geht nach innen.

Aber das ist ja auch eine Frage der Zeit, bis dann dieser Topf in gewisser Weise aufgeht. Es gibt ja Untersuchungen, auch die ganzen Amokläufer. Wenn man die Biografien irgendwie so mal liest, es sind in vielen Fällen die lieben, netten, braven, angepassten Männer gewesen.

Und dann irgendwie macht irgendwas klack, und dann marschieren die los. Und alles, was sozusagen denen in den Weg kommt, mählen die nieder. Und das ist natürlich ein Ausdruck davon, dass sie sozusagen so viel und so lange diese innere, eigene Energie unterdrückt haben.

Daniel:

Was sie auf sich selbst gerichtet haben auch. Welche gesellschaftlichen Faktoren verstärken denn diese verzerrten Formen? Tja, was heißt gesellschaftliche Formen?

Axel:

Ich glaube, wir haben uns einfach weit, weit, weit weg von dieser Wirklichkeit und der Qualität des Kriegers entwickelt. Ich würde fast schon sagen, wir sind auch entkoppelt davon. Meine eigene Erfahrung wäre, dass viele, wenn nicht sogar sehr viele, diese Grundwirklichkeit nicht mehr in sich abrufen können.

Was es heißt, diese Kriegerenergie, also diese Lebensenergie, diese Aggression in sich zu spüren und sie wirklich in einer guten Weise einsetzen zu lernen. Und gesellschaftlich würde ich sagen, es gibt ja immer so Bilder, die so erzeugt werden, wie ein Mann zu sein hat. Und Kriegerqualität war mit Sicherheit nicht die beste mehr in unserer Gesellschaft anerkannt.

Das ist abgewertet worden, wie der Mann an sich ja in vielen Fällen auch abgewertet wurde mit seinen Qualitäten. Man kann das auf der anderen Seite natürlich auch verstehen, weil das, was sozusagen entstanden ist, nicht wirklich förderlich auch für die Gesellschaft ist.

Daniel:

Also ich kenne das ja auch. Das, was du jetzt beschrieben hast, kenne ich aus meinem eigenen Leben. Also ich hatte auch eine ganz lange Phase, in der war ich sehr angepasst und habe natürlich auch aufgrund meiner Prägungen, mit denen ich unterwegs bin, immer Schwierigkeiten gehabt, Grenzen zu ziehen.

Und ich kenne das, dass es auch aus mir dann einfach mal spontan herausgeplatzt ist. Einfach so. Das ist so die klassische Form, wie das bei mir Ausdruck fand.

Wie drückt sich das denn heute aus? Früher war der Krieger ja eine klare Rolle, wie du gerade schon gesagt hast. Und heute ja was eigentlich?

Was ist der Krieger heute? Wir haben jetzt Jobs, Verträge, Smartphones. Und wo kommt dieser Archetyp in unserer modernen Welt denn überhaupt noch vor?

Vielleicht so, dass die Zuhörer das jetzt auch irgendwie in sich spüren oder damit Kontakt aufnehmen können.

Axel:

Ja, also das Nächste, was mir so kommt, ist natürlich auch dieser Drang und dieser Sog, wenn es darum geht, wenn Menschen, also in dem Fall Männer, kämpfen. Also diese ganze Kampfszene, das lockt ja ganz viele Menschen an. Und die sehen dann, wie sich zwei Menschen auf einer gewissen Ebene begegnen.

Und auch das ist, glaube ich, eine tiefe Sehnsucht. Und das hat ja auch was, wenn man so guckt, früher die Gladiatoren, die dann in der Arena waren und die haben gekämpft. Und die hatten ein großes Ansehen auf einer gewissen Ebene.

Aber darum geht es ja nicht. Nur, wie wir uns in bestimmten Bildern uns sozusagen darüber verbinden wollen, dann auch diese Kriegerenergie zu haben. Das ist auch ein Versuch der Kompensation.

Daniel:

Welche Aufgaben hatte denn der Krieger früher? Und was ist da von heute noch relevant?

Axel:

Ja, also auch das Aufgaben. Ich glaube, wenn wir in diese jetzige Zeit schauen, dann haben wir als Mensch, als Mann die Verantwortung, unser Leben zu gestalten. Und das in einer gewissen Form der Aggression.

Also auch, dass wir uns ausrichten, dass wir eine Klarheit gewinnen für unser Leben, dass wir wissen, was wir wollen, dass wir auch so etwas tragen wie eine gewisse Form, letztes Mal war es ja der wilde Mann, der Autonomie. Ein Mann, der nicht frei ist, der kann in gewisser Weise nicht wirklich für sich selber einstehen. Das sind ja alles so Bedingtheiten, wenn man jetzt mal die gesamtarchetypischen Bilder nimmt, die sind ja niemals voneinander getrennt, sondern die unterstützen sich gegenseitig.

Und wir sehen das als Ganzes. Das Potenzial, was da drin liegt, das finde ich ganz interessant. Und dass wir eine gewisse Autonomie brauchen, um überhaupt für uns lernen einzustehen.

Ein Mann, der abhängig ist, der kann nicht wirklich für sich einstehen. Und das fängt schon in ganz alltäglichen Formen an, wie in der Beziehung. Welcher Mann sagt, was er will?

Oder welcher Mann kann denn sagen, was er will?

Daniel:

Also ich habe so die Idee, dass es früher schon ganz klassische Aufgaben des Kriegers gab. Zum Beispiel, ich beschütze meinen Stamm. Das ist ja heute auch nicht mehr so.

Also diese Qualität des Beschützers ist ja gesellschaftlich so ein bisschen in Verruf geraten auch. Und ich fand das Bild vorhin so schön, das du gezeichnet hast mit den zwei Männern, die sich begegnen und sich auf eine gewisse Art und Weise vielleicht kriegerisch herausfordern, nenne ich es jetzt mal. Ich habe das häufig in meinem Leben erlebt.

Mein Cousin war immer sehr wild und sehr schnell aggressiv, wenn er Alkohol getrunken hat. Und er hat sich hin und wieder doch mal mit einem Mann angelegt. Und dann haben die sich auf die Fresse gehauen.

Und dann sind die danach aber Bier trinken gegangen. Und dann war wieder alles gut. Das ist ja auch so ein Bild, was man häufig hört, oder wovon man häufig hört und früher gehört hat.

Heute ist das ein bisschen anders geworden. Du hast gerade schon Beziehung angesprochen. Jetzt hatten wir auch den Beruf.

Welche modernen Lebensbereiche verlangen denn wirklich eine kriegerische Qualität, an der du sehen kannst, dass da irgendwas fehlt bei uns in der Gesellschaft?

Axel:

Also wenn ich ganz ehrlich bin, auf allen Ebenen. Weil da ist ein Defizit entstanden. Das ist ja keine Wertung, sondern ich bin immer wieder sehr erstaunt, wie wenig Bewusstsein für all diese Aspekte in uns irgendwie so abrufbar sind.

Du kennst das, ich kenne das, wenn man mit Männern in Kontakt kommt und sie wirklich mal aufmachen und erzählen, wo sie stehen. Oder wo sie wirklich irgendwie im Leben auch hadern, wo sie scheitern, wo sie nicht wissen, wie es weitergeht. Das sind ja alles so Aspekte.

Die Männer öffnen sich und kommen damit auch in Kontakt und offenbaren sich. Das ist schon mal eine gute Qualität, behaupten, den nächsten Schritt zu gehen. Und ich finde, der Krieger hat so eine, also ich mag den einfach, weil der so eine gewisse Form in sich trägt und Energie, wo es darum geht, Disziplin für sich zu erwirken.

Wenn wir wirklich sagen, wir wollen einen Weg gehen, dann brauchen wir auch diesen Krieger, der diese Disziplin umsetzt. Der den Mut hat, an Grenzen zu gehen. Dass er auch Mut hat, Grenzen zu setzen.

Dass er auch die Kraft hat, in Umsetzung, also ich mag das Wort auch, in Tatkraft zu kommen. Und nach wie vor, deswegen habe ich gesagt, ich glaube, ich sehe das auf allen Ebenen so, dass so eine gewisse Tatkraft, also eine Handlungskraft, sehr, sehr reduziert in uns ist. Und ich frage mich immer, was passiert denn bei den Männern eigentlich?

Und ich erlebe das gerade in vielen Fällen, es ist ein großes Feld der Kompensation. Großes Feld der Kompensation. Aber die Ursprünglichkeit dessen, was der Krieger wirklich in sich trägt und welche Qualität der so in sich trägt, tja, also archetypisch sagt man ja, in Filmen wird das ja immer auch gezeigt, der Krieger und der Kampf und Gewinner und Verlierer und so.

Aber es sind Bilder und ich glaube, diese Bilder sind auch verzerrt. Ich glaube, die größte Kraft des Kriegers darf sein, dass ich für mich mein Leben in Verantwortung setze und mein Leben gestalte. Und diese Grundkraft dazu nutze, dass mein Leben sich gut anfühlt und das Leben meiner lieben oder vielleicht auch darüber hinaus.

Und ich glaube, wir sind so ichbezogen geworden oder haben uns ichbezogen entwickelt, dass auch so das Kollektiv oder du hast vorhin auch das Schöne, dass der Krieger ja sozusagen dafür auch da war, den Stamm zu beschützen. Also falls so Übergriff und andere Stämme irgendwie in Angriff kamen, das war klar, dann waren die Krieger gefordert. Aber das ist heute ja genauso noch.

Wie beschützen wir, wie haben wir die Möglichkeit, unser Umfeld oder unsere Familie, unsere Frau oder uns selber irgendwie in der Weise, ich will nicht sagen zu beschützen, aber für uns einzustellen.

Daniel:

Würdest du sagen, der Mann von heute kann noch gut greifen oder oder verstehen, was beschützenswert ist in der heutigen Welt? Oder ist das aufgrund der Komplexität einfach auch verloren gegangen? Oder vielleicht auch aufgrund dessen, dass es vielleicht mit gesellschaftlichen Erwartungen kollidiert, wie zum Beispiel Nein, du hast nicht aufzumucken.

Ich bin dein Boss und du hältst die Klappe.

Axel:

Naja, das ist wieder das Bild, so wer sagt, wo es lang geht. So webe auch nicht mich unter. Es gibt ja Hierarchien, das kann man schon sagen, auch gerade in Arbeitsstrukturen.

Aber auch da ist ja keiner wirklich unfrei. Jeder hat die Möglichkeit, in der Weise auch für sich einzustehen und vielleicht auch seine Meinung oder seinen Standpunkt zu vertreten. Und ich glaube, was die meisten Menschen ja gerade, wenn es um Entscheidungen geht oder vielleicht jetzt auch Männer, die scheuen die Konsequenz.

Also wenn ich etwas entscheide, hat das eine Konsequenz. Deswegen, viele entscheiden nicht, die lassen entscheiden. Also die haben nicht so, sagen wir vielleicht, dieses Rückgrat, das finde ich immer ganz schön mit diesem Schwert, so aufrecht für sich einzustehen und zu sagen, okay, hier stehe ich und das ist mir wichtig und das ist bedeutsam oder dafür gehe ich.

Ja, und da glaube ich, da können wir wieder viel, also alleine diesen Begriff des Kriegers auch ein bisschen wieder in ein anderes Bild lernen zu setzen. Das ist wie immer, der Krieger sagt, ich meine, es gibt ja diese vier Grundarchetypen und der Krieger, da kann jeder was mit anfangen. Der weiß sofort, um was es geht eigentlich.

Und doch sind die Bilder in gewisser Weise verzerrt darin. Deswegen sagt sich ja vorhin der Krieger, die größte Kunst des Kriegers ist immer, nicht mehr zu kämpfen. Aber das heißt nicht den Kopf in den Sand stecken, nicht mehr spürbar zu sein, nicht mehr fühlbar zu sein für das Umfeld.

Und wenn es so ist, dass die Situation entsteht, wo wirklich irgendwie auch die Entscheidung des Kämpfens erforderlich ist, aber auch das umzusetzen. Ich meine, du kennst das wahrscheinlich auch. Also wenn ich in meine Jugendzeit gucke, es gab immer, in meinem Freundeskreis gab es immer so etwas wie ein körperliches Messen.

Das war kein Kämpfen, aber es war irgendwie rauszufinden. Und darüber wurde ja sozusagen auch ein innerer Kontakt frei, dass ich mit meiner eigenen Kraft in Kontakt kam. Und wenn man so Kinder oder gerade Jungen sieht, wie die da anfangen, sich zu entdecken.

Also wer bin ich denn da? Das ist in gewisser Weise nicht verloren gegangen. Aber das ist schon so, wie sagt man, gewertet, dass Jungens das gar nicht mehr dürfen oder nicht mehr sollen.

Da wird sozusagen eine gesunde Form auch der Entwicklung gehemmt.

Daniel:

Und das ist verdammt wichtig. Das ist verdammt wichtig. Vor drei Jahren hatten wir im Männercamp ja einen Mann, ein großer, großer Mann, von Beruf Physiker.

Und er wurde sein Leben lang gemobbt. Und irgendwann war er dann mal in der Disco und wurde von einem anderen Mann irgendwie dumm angemacht. Und es kam dann aufgrund von Alkohol und so weiter dazu, dass er wirklich zum ersten Mal in seinem Leben zugeschlagen hat.

Und dieser große Mann hat seinem Kontrahenten den Kiefer zertrümmert in tausend Stücke. Der war nicht mehr zu retten, aber er hatte keinen Kontakt zu seiner eigenen Kraft, keinen Kontakt zu seinen eigenen Grenzen, weil er die noch nie mit einem anderen Mann mal so in Kontakt gebracht hat. Und deshalb spielen ja auch Wölfe zum Beispiel oder andere Tiere.

Die spielen ja, also die rangeln und kämpfen ja auch spielerisch miteinander, um irgendwo mit ihrem Körper und ihrem eigenen Potenzial auch verbunden zu sein und das herauszufinden. Ja, insofern sind ja zum Beispiel Mentoren ganz wichtig, die auch sehr heranwachsen.

Axel:

auch mit dieser Kraft in Kontakt zu bringen und zu sagen, das ist grundsätzlich eine gute Kraft. Das ist eine gute Kraft, das ist eine Lebenskraft. Nur das, was daraus entstanden ist, dass das natürlich in vielen Fällen überzogen worden ist, weil die das Maß nicht gefunden haben oder Grenzen nie gelernt haben zu achten oder auch zu setzen und dann wird es verletzend.

Und dann kommen genau solche Erfahrungen oder Bilder, die du jetzt gerade benannt hast. Wir hatten auch mal einen im Männercamp gehabt, der hat nicht lange gefragt. Wenn da irgendwie einer im Doof gekommen ist, der hat ihm sofort eine auf die Glocke gehauen.

Das hat mit dem Krieger gar nichts zu tun. Gar nichts. Ganz im Gegenteil.

Das ist eigentlich so, dieser Aspekt, dieser Wunde, der reagiert dann total aus der Wunde heraus, überreagiert. Deswegen auch, wenn wir unsere Wunde nicht kennen, dürfen wir uns über die Handlungen nicht wundern.

Daniel:

Nur mal aus Interesse, weil wir gerade hier bei dem Thema sind. Kennst du das Konzept von Playfights? Also es gibt ja so Räume jetzt mittlerweile, in denen können sich Menschen begegnen, um gegeneinander spielerisch zu kämpfen.

Das ist so dein Ringkampf oder sich gegenseitig aus dem Ring schubsen oder solche Sachen. Ich glaube, das kann auch dazu beitragen, um wieder ein bisschen herauszufinden, wo bin ich denn eigentlich? Wo fange ich an?

Wo höre ich auf? Welche Kapazitäten hat mein Körper überhaupt? Da sind wir jetzt auch schon im Thema, was heilt oder integriert den Krieger?

Wir kennen ja beide Männer, die einfach nur funktionieren. Du hast das gerade schon angesprochen. Die sind oft im Kampf, ohne es zu merken und brennen irgendwann aus.

Was kann denn dem Mann helfen, wieder klar zu werden?

Axel:

Was immer hilft, ist auf jeden Fall mal innehalten und zu entdecken, was läuft eigentlich in mir? Auch die Frage, wer bin ich eigentlich wirklich? Das sind ja so Fragen, die uns ja immer wieder früher oder später das Leben anträgt.

Die Frage, gebe ich mir Zeit und Raum, dieser Frage nachzugehen? Zum Beispiel, wie bin ich ein aggressiver Mann? Also mal so Erforschungsfragen in sich zu haben.

Oder wie unterdrücke ich meine gesunde Form der Aggression? Ich meine, wenn ich zu Seminaren gehe, frage ich ja manchmal, wie bist du lebendig? Oder wie vermeidest du die Lebendigkeit?

Das hat ja immer etwas mit einer gewissen Form einer Struktur zu tun, die wir gelernt haben. Etwas, was in uns ist, und das ist ja so etwas wie Aggreder, also diese Aggression. Das ist ja die Grundkraft unseres Lebens.

Aber wie wir da schon früh gelernt haben, diese Energie irgendwie zu unterdrücken oder zu vermeiden. Und ich glaube, sich damit wieder in Kontakt zu bringen, und das gibt ja viele gute Möglichkeiten, sich irgendwie auch in der Weise wieder zu schulen, sich zu öffnen, zu lernen, auch diese gesunde Form der Aggression zu leben und nicht diese ungesunde Form. Einfach draufhauen.

Das ist ja keine Lösung, das ist ja eine Not in gewisser Weise. Und ich glaube, das Bewusstsein, und das ist immer der große Punkt, wir brauchen in all diesen Aspekten Bewusstsein, wer wir da sind und wie wir in welcher Weise was leben oder wie wir in welcher Weise etwas gelernt haben zu unterdrücken oder abzuspalten.

Daniel:

Wie findet denn ein Mann eine Form von Stärke, die auf diesem Bewusstsein basiert?

Axel:

Ja, indem er sich mit sich selber auseinandersetzt und guckt, wer bin ich denn da? Nach wie vor würde ich sagen, das sind ja viele Männer, die so aggressionsgehemmt sind. Und wie, in welcher Weise können sie lernen, ihre Aggressionen in Ausdruck zu geben?

Das kann im Tanzen sein, das kann in der Kampfsportart sein, das kann im sportlichen Bereich sein, wo sie versuchen, dieser Energie einen Ausdruck zu geben. Und klar kann man das lernen. Und wenn man jetzt mal auf so eine gewisse Ebene schaut, vielleicht so geistig-spirituell, hat der Krieger ja natürlich eine unglaubliche innere Ausrichtung.

Ich würde sagen, der verkörpert für mich am stärksten diese Bereitschaft, für den Weg zu gehen. Deswegen auch damals hier in Japan war das ja immer die Samurais. Das waren ja so unglaublich angesehene Kämpfer.

Und diesen Weg, den die gegangen sind, nennt man so Bushido, also den Weg des Kriegers. Und die hatten eine unglaubliche Disziplin, die hatten eine unglaubliche Ausrichtung, die hatten eine Konzentration, also dass sie einen Fokus behalten haben. Wie viele Männer heutzutage verlieren sich in dem ständigen Tun.

Also gar nicht mehr wissen, was sie eigentlich wollen. Und sich dann irgendwann fragen, wie, das ist mein Leben? Wie gebe ich mir Zeit und Raum, herauszufinden, wer ich bin?

Und alleine das ist eine Kriegerenergie. Sich selbst zu stellen, sich selbst nicht mehr auszuweichen. Also mir auch nicht selber noch was vorzumachen.

Ich glaube, die Buddhisten haben ja gesagt, erst wenn wir aufhören, uns selbst eine in die Tasche zu lügen, so kommen wir bei uns an. Und diesen Mut zu haben, und das ist ja eben auch so eine große Qualität des Kriegers, den Mut. Das ist ja nicht nur beim Krieger, sondern es durchzieht ja unsere ganze menschliche Wirklichkeit.

Mut ist eine Seelenqualität, so würde ich das sagen. Und das finden wir in all diesen Bereichen wieder. Ob beim wilden Mann oder beim Heiler oder beim Vater.

Es braucht immer auch diese Qualität des Mutes, den Mut zu haben, sich einer bestimmten, auch unangenehmen Wirklichkeit oder Wahrheit zu stellen.

Daniel:

Siehst du, jetzt wo du es gerade angesprochen hast. Wir hatten ja in der ersten Folge Mut zur Wunde, dann Mut zum Vater. Mut zum Matsch müssen wir noch machen, oder?

Mut zum Matsch für den wilden Mann.

Axel:

Eher Mut zur Freiheit.

Daniel:

Welche Rolle spielt denn Körperlichkeit oder allgemein die körperliche Fitness, das körperliche Auseinandersetzen mit dem Körper und so weiter für dich?

Axel:

Ja, da sind wir ja schon fast wieder auch bei dem wilden Mann. Weil ich glaube, das, was den meisten Menschen oder Männern vielleicht in dem Sinne auch verloren gegangen ist, ist das Körperbewusstsein. Also man kann mal sagen, Disziplin, so wie trainiere ich auch meinen Körper, nicht nur meinen Geist, sondern auch meinen Körper.

Wie halte ich den in gewisser Weise auch fit, sodass auch eine gewisse Qualität in mir abrufbar ist. Das ist schon ein großer Bereich auch. Das ist der Körper.

Also jetzt nicht nur muskulär sich aufbaut. Ich stemme jetzt hier ständig Gewichte und dann bin ich der äußere, starke Mann. Sondern es geht vielmehr, wie immer, um all diese Aspekte, eine Durchlässigkeit in sich zu erwirken.

Eine Durchlässigkeit. Und das hieß ja auch, dann in bestimmten Kontexten auch eine Risikobereitschaft zu haben, an Grenzen ranzugehen und Stopp zu sagen, also sich abzugrenzen. Viele Männer, das ist eine Erfahrung, die ich mit vielen Männern gemacht habe, die haben gar kein Bewusstsein, wo ihr Raum endet, wo ihre Grenze ist.

Damit lädst du Gott und die Welt ein, durch deine Grenze oder durch deinen Raum durchzulatschen. Und alleine das, was ist das für ein großes Thema? Und da ist der Krieger natürlich verantwortlich dafür.

Wenn du weißt, wo deine Grenze ist, und jeder achtet die, dann hast du ja sozusagen die Aufgabe, an die Grenze ranzugehen und deutlich zu sagen, Stopp, hier ist meine Grenze und ich will, dass du das achtest. Und da würde ich sagen, ja, ist viel Lernbedarf.

Daniel:

Wenn der Krieger gut integriert ist, was verändert sich denn dann ganz konkret im Leben eines Mannes? Du hast gerade schon gesagt, die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Ich denke jetzt nicht an große Visionen, sondern ganz explizit so im Alltag.

Partnerschaft, Arbeit, Entscheidungsfindung hast du auch schon mehrfach angesprochen. Welche Qualitäten bekommt ein Mann zurück, wenn sein Krieger wach ist?

Axel:

Ja, eigentlich das, was wir schon gesagt haben. Das kann ich mich jetzt nur wiederholen. Also dass er so für sich eine Klarheit und eine Ausrichtung für sein Leben gewinnt.

Ich sage mal, jeder Mann darf herausfinden, was er will. Da sind wir bei Wille. Und dafür braucht es ja eine innere Hinwendung.

Wir wollen das ja nicht im Äußeren finden, sondern im besten Fall geht es darum, dass der Krieger auch lernt, sich seinen inneren eigenen Schatten und Dämonen zu stellen. Das sind die sogenannten Kämpfe, um die es eigentlich geht.

Daniel:

Aber es geht nicht nur darum, den Weg zu finden, sondern ihn auch zu beschreiten, oder?

Axel:

Ja, sonst würde das ja gar keinen Sinn machen. Wenn ich nicht die Bereitschaft habe, und das ist auch gerade so ein Thema beim Nachtreffen vom Männercamp im November war das, glaube ich, da war das nochmal so deutlich. Also wenn wir wirklich so etwas in uns installieren, wie dass wir bewusst einen Weg gehen, wie man den Weg nennen würde, den Weg der Entwicklung.

Aber wenn wir wirklich bereit sind, diesen Weg zu gehen, braucht es was. Es braucht einen Einsatz, es braucht Disziplin, es braucht Mut, es braucht Risikobereitschaft. Das sind alles so Qualitäten, die der Krieger sozusagen mit diesen Qualitäten den Lebensweg unterstützt.

Und in vielen Fällen ist das so, dass viele Männer mehr so einen Pseudoweg gehen. Sie sagen, ja, ja, ich will den Weg der Entwicklung gehen. Aber wenn es dann wirklich um Umsetzung geht, da scheitern viele.

Und das ist auch ein Phänomen. Also bin ich wirklich in der Absicht, und dann bin ich wieder mit dem Wort, bin ich wirklich mit dem inneren, tragenden Willen verbunden, oder habe ich so ein Bild? Und diese Rückbindung mit dem Hara, das ist so ein elementares Zentrum für unser Menschsein.

Also ohne geht es ja eigentlich gar nicht. Und der Wille ist ja nicht weg. Die Frage auch hier ist wieder, wie verbinde ich mich mit meinem getragenen Willen?

Dann ist ja diese Kraft, die aus dem Hara aufsteigt und über die Hände, sagen wir mal, Handel, hinausgeht, in die Welt bringt.

Daniel:

Wie sieht es denn aus mit Orientierung? Klar, wenn ich eine Ausrichtung habe, gewinne ich Orientierung für mich zurück. Wirkt sich der Krieger auch auf den Selbstwert des Mannes aus?

Axel:

Ja, unbedingt. Ich meine, Selbstwert, das ist ja eines der größten Thema, ist der Wert an sich. Da sind wir ja schon fast beim König, weil das ist der essentielle Aspekt des Königs.

Aber wenn wir auch hier beim Krieger nicht mit diesem Wert des Seins verbunden sind, und Selbstwert zu wissen, wer bin ich eigentlich? Und das ist ja ein Prozess, der nie einfach oder auf einmal endet, sondern das ist ja ein Prozess, der sich immer weiter trägt. Herauszufinden, wer bin ich?

Und diese Grundkraft, wert zu sein, ist etwas, wo viele Menschen danach ringen, sich wert zu fühlen, wertvoll, liebenswert, und all diese Dinge zu fühlen. Aber im Kern ist es ja etwas, was uns ja schon eingeboren ist. Wir sind es ja schon.

Wir sind wert durch unser Sein. Dafür müssen wir nichts tun. Jetzt kann man wieder sagen, dass viele Menschen an diesem Punkt entkoppelt sind auch von dem Wert selbst.

Und dann ist wieder die Frage, was muss ich tun, was will ich tun, damit ich mich irgendwie in dem Wert wiederfinde? Und ja, das kann natürlich beim Krieger auf jeden Fall in diesen Bereich oder in diesen Raum fallen, wieder mit diesem inneren eigenen Wertsein sich zu verbinden. Ich komme noch mal immer wieder zu diesem Bild.

Ich merke gerade auch dadurch, wie wir darüber sprechen, was das für eine innere Bewegung ist in unserem Menschsein oder auch in unserem Mannsein, dass wir lernen, diese innere Aufrichte wieder zu haben. Das hat was mit dem Willen zu tun, sich innerlich aufzurichten. Und damit irgendwie impliziert das für mich auch den Wert des Daseins.

Daniel:

Mir kam gerade so das Bild, sich nicht mehr klein zu machen. Das passt vielleicht auch zum Krieger, also erhobenen Hauptes, sich dem zu stellen, was kommt. Bevor wir zum Abschluss kommen, ich habe natürlich wieder ChatGPT gefragt, welche historischen Figuren den Krieger verkörpern.

Und ich mache es diesmal nicht so lange. Das letzte Mal habe ich gemerkt, war das ein bisschen zu lang. Diesmal habe ich mich auf zwei beschränkt.

Und zwar einmal ist das König Leonidas, kennst du mit Sicherheit. Der steht für den Krieger, der seine Klarheit nicht sucht, sondern bereits gefunden hat. Er weiß genau, wofür er einsteht und genau deshalb handelt er nicht impulsiv, sondern aus einem inneren Prinzip heraus.

Sein Mut ist nicht laut. Er zeigt sich in seiner Konsequenz, in der Art, wie er sich ausrichtet, bevor er auch nur einen Schritt nach vorne macht. Disziplin ist für ihn kein Trainingsplan, sondern eine Haltung.

Ein geordnetes Inneres, das sich im Äußeren zeigt. Wenn Leonidas führt, dann weil er selbst bereit ist, die Last der Entscheidung zu tragen. Er stellt sich dorthin, wo es gefährlich ist, aber nicht um Held zu sein, sondern weil er weiß, dass ein Mann, der Verantwortung übernimmt, dort stehen muss.

Er erwartet von niemandem ihm zu folgen, er geht einfach. Und gerade dadurch folgen ihm so viele. Für Leonidas ist der Tod nicht das Ende, sondern ein möglicher Preis für Würde.

Er zeigt uns die Kraft eines Mannes, der eine Grenze setzt und sie hält. Ich glaube, ich habe in meinem Leben nicht so viele Männer getroffen, die den Film 300, ich weiß nicht, ob du den kennst? Es ist eine moderne Verfilmung über die 300 Spartaner, die sich in diese Schlucht gestellt haben und dort das persische Heer aufgehalten haben.

Leonidas ist der spartanische König gewesen, der diesen Akt vollzogen hat. Also kann ich empfehlen, das ist ein Film, der spricht bei allen Männern etwas an.

Axel:

Ja, aber auch alleine das, was du jetzt vorgelesen hast, drückt es schon im Kern wirklich gut aus, was die Kriegerenergie sein kann.

Daniel:

Und zweites Bild. Natürlich habe ich wieder eine biblische Person eingebaut. Und zwar rede ich hier über David.

David verkörpert einen anderen Zugang zur Kriegerenergie. Bei ihm beginnt alles im Inneren. Er kämpft nämlich nicht, weil er stärker ist und auch nicht, weil er sich beweisen will.

Er kämpft, weil etwas in ihm sagt, es ist jetzt an mir. Sein Mut wächst nicht aus Überlegenheit, sondern aus Vertrauen in sich, in den Moment und in das, was richtig ist. David weiß, wie es sich anfühlt, unterschätzt zu werden und gerade deshalb bleibt er sich treu.

Er sucht nicht den Kampf, aber wenn er ihn annimmt, dann mit einer Klarheit, die größer ist als seine Angst. Er siegt auch am Ende nicht, weil er größer ist, sondern weil er die Wahrheit dessen kennt, was getan werden muss. Sein Kampf beginnt nicht mit dem Gegner, sondern mit seinen eigenen Zweifeln.

Und sobald er die überwunden hat, steht er mit einer Entschlossenheit da, die nichts Dramatisches braucht. David zeigt uns auch, dass der Krieger nicht nur derjenige ist, der Grenzen verteidigt, sondern auch derjenige, der im entscheidenden Moment sagt, ich trete hervor. Und das sind jetzt die zwei Personen, die das relativ gut vertreten, aus meiner Perspektive heraus.

Es gab natürlich auch noch ein, zwei Samurai, die hier vorgeschlagen wurden. Es gibt ja Musashi Miyamoto oder so heißt er, glaube ich, der irgendwie über 40 Duelle geführt hat in seinem Leben und in so einer Höhle gelebt hat und da nie rausgekommen ist und nur trainiert hat und ab und zu mal rauskam, um irgendwen im Duell zu besiegen und dann wieder in seine Höhle zurückgegangen ist. So was gibt es natürlich auch.

Aber das ist ja ein ganz spezielles Bild des Kriegers. Der hat natürlich auch seinen Raum. Aber für mich treffen es diese beiden relativ gut.

Also es berührt zumindest was in mir, so diese Qualitäten. Und von denen hätte ich auch gern mehr in meinem Leben.

Axel:

Was hindert dich daran? Nichts. Ja, super.

Ja, danke Daniel. Das war doch ein schöner Abschluss, auch mit den zwei archetypischen Grundbildern eines Kriegers.

Daniel:

Da kann ich gut mitgehen. Hast du noch irgendwas, was du den Männern mitgeben möchtest, bevor ich den Abschluss verlese?

Axel:

Ich kann mich da in vielen Fällen nicht immer nur wiederholen, aber auch Mut herauszufinden, wer du in der Tiefe, in welcher Weise auch Krieger bist.

Daniel:

Also Mut zu dir heute.

Axel:

Ja, aber auch Mut zu dieser Grundkraft von Aggression. Und ich unterscheide das wirklich nochmal. Aggression heißt nicht Gewalt.

Sondern Aggredere heißt, ich gehe auf das Leben zu und bin in der Bereitschaft, das Leben auch zu nehmen, so anzunehmen. Und das ist eben halt auch ein Ausdruck der Aggression. Und das, finde ich, ist ein schönes Bild, wie wir lernen dürfen, eher in dieser Bereitschaft zu sein, uns dem Leben auch hinzugeben.

Da haben wir jetzt gar nicht drüber gesprochen, weil das große Spannungsfeld des Kriegers ist Aggression und Hingabe. Dann darfst du das gerne jetzt noch einbringen. Ja, das sind so zwei Grundqualitäten.

Letztendlich geht es ja nicht darum, zu kämpfen, sondern letztendlich darum, sich dem Leben selbst hinzugeben. Du hast es ja jetzt auch schön beschrieben mit diesen zwei Bildern, wie beide irgendwann in diese Hingabe kamen und sich aus dieser Form und der Struktur herausgelöst haben, eingestanden sind und sich auf die Wirklichkeit, ich würde sagen, vielleicht auf die Wirklichkeit des Lebens gelernt haben, einzulassen. Da sind wir wieder bei dem Nicht-Kämpfen, sondern es ist eher diese Bewegung, sich hinzugeben.

Ja, siehst du, passt doch schon wieder.

Daniel:

Ja, also lieber Zuhörer, wenn du jetzt merkst, dass du vielleicht oft zögerst oder zu weich bist oder dich zu angepasst fühlst oder vielleicht auch genau das Gegenteil, dass du ständig im Kampfmodus bist, dann kann es sein, dass dein Krieger nicht in Balance ist. Die Frage ist also nicht, bist du ein Krieger, sondern wie viel Verantwortung übernimmst du für dein Leben und wie klar bist du in deinen Entscheidungen. Ja, nimm dir gerne nach der Folge einen Moment Zeit und frag dich, wo brauchst du mehr Klarheit, wo drückst du dich vielleicht vor Entscheidungen.

Weißt du genau, wann es Zeit ist, einen Kampf zu führen oder ihn vielleicht auch einfach abzulehnen oder gehen zu lassen?

Axel:

Vielleicht noch zum Abschluss. Der Krieger hat ja so etwas wie eine Qualität entwickelt, nämlich die große Kraft der Unterscheidung. Ein Krieger, der jede Herausforderung, jeden Kampf annimmt, der reibt sich auf.

Also die Unterscheidungskraft zu haben, welchen Kampf, welche Herausforderung nehme ich an und welche lasse ich.

Daniel:

Genau. Ja, wenn du magst, teile wieder deine Gedanken mit uns, schreib Kommentare. Wir freuen uns natürlich in Austausch zu gehen und lesen und beantworten jede Nachricht persönlich.

Ansonsten vielen Dank, dass ihr alle da wart. Ich freue mich, dass du da warst, Axel. Danke für deinen Input, für deine Weisheit, für dein Sein, für deine kriegerische Kante.

Axel:

Ja, danke dir auch, Daniel. Ich freue mich auch auf den Liebhaber. Der nächste Archetyp wäre der Liebhaber.

Das ist auch ein spannender Aspekt. Schauen wir mal, wie wir den vermitteln. Na dann, bis nächste Woche, Axel.

Bis später. Bis nächste Woche.

Daniel:

Also.