31. Jan. 2026
Viele Männer fragen sich, wie Heilung eigentlich funktioniert. Geht es darum, sich selbst zu reparieren oder darum, endlich wieder zu fühlen? Viele spüren eine Sehnsucht, heilt zu werden, wissen aber gar nicht, was das eigentlich heißt.
Heil sein, heißt das, keine Wunden mehr zu haben oder heißt es, mit den eigenen Wunden in Frieden zu sein? Und wo kippt der Wunsch zu heilen in das Bedürfnis, andere zu retten? Heute sprechen wir über den Heiler im Mann, die Kraft, die Mitgefühl mit Klarheit verbindet.
Wir schauen darauf, warum dieser Archetyp so wichtig ist und wie er sich in unserer Zeit zeigt und vor allem, was es braucht, damit Heilung im Mann wirklich stattfinden kann. Diese Folge ist eine Folge aus unserer Reihe, die sieben Archetypen des Mannes. Und wir wollen uns die nächsten sieben Folgen pro Folge mit einem der sieben großen Archetypen verbinden und mal schauen, was ist da eigentlich zu finden.
Axel, was sind denn eigentlich Archetypen? Was ist ein Archetyp?
Axel:Ja, er ist ja so sicherlich über Jung irgendwie doch sehr publik geworden. Der benennt das ja, das sind so wie Blaupausen unserer menschlichen Seele. Da drin sind uns gewisse Qualitäten eingeboren, die wir schon sind.
Und das, was immer bei den archetypischen Bildern oder Formen stattfinden will, ist, dass wir lernen, damit in Kontakt zu kommen. Also kann ja fast jeder mit irgendeinem Archetyp, Krieger, Heiler, König, hat man sofort Bilder oder hat man bestimmte Verknüpfungen. Und das ist so etwas wie ein Kollektiv, wie ein Seelenkollektiv.
Deswegen ist das letztendlich weltweit, vielleicht überall auf der Erde vorzufinden, diese Urbilder. Und so nach dem Prinzip, was wir ja vielleicht vertreten, ist ja, dass jeder Mensch, Mann oder Frau auch auf etwas geht wie auf einer Helden- oder Heldinnenreise. Und insofern ist das schon auch ein Bild.
Der Held ist immer so ein Archetyp, der gerne nach außen gesucht wird oder vertreten wird. Und man darf lernen, was diese Archetypen wirklich auch in uns erwirken wollen. Das ist wie ein Prozess.
Man könnte auch sagen, das sind wie Initiationsprozesse in diese inneren, tieferen Aspekte unserer menschlichen, männlichen oder weiblichen Seele, die da hineininitiiert werden wollen. Das heißt, wir brauchen irgendwie auch einen Kontakt dazu. Und wenn man jetzt mal auf den Heiler guckt, das ist natürlich so ein großes Thema.
Wir kennen alle, wie wir häufig, sehr häufig oder sehr oft auf etwas reagieren, wo wir dann sagen, ich fühle mich verletzt. Also da wird das immer sehr deutlich, wie etwas in uns sozusagen erinnert wird, wie etwas wie dieses Urprinzip der Wunde uns immer wieder berühren will, im guten Sinne. Damit etwas, was sich scheinbar verletzt fühlt, auch in einer Weise vielleicht wieder heilen kann.
Und das ist eine spannende Frage. Also wie geschieht Heilung und was heißt eigentlich Heilung? Das sind ja alles so große Worte.
Damit wird Heilung in Form wieder von Ganzwerdung, also das wäre für mich dieser beste Begriff, also das, was sich vorher getrennt gefühlt hat, sozusagen wieder innerlich zusammenfindet, ganz wird. So würde ich das jetzt erst mal bei dem Heiler auch sehen, was das für eine Herausforderung ist. Wir sagen ja auch, jeder Mann darf lernen, sich seiner Wunde zu stellen.
Und soweit, wie ich das verstehe, dieses Leben und auch diesen Weg, den wir zu gehen haben, ich würde sagen, hier geht keiner unverletzt durchs Leben durch. Das heißt, jedes Lebewesen wird irgendwie in einer bestimmten Weise von diesem Prinzip der Wunde berührt und damit in gewisser Weise auch herausgefordert. Und das macht ja sozusagen auch wie eine Form von Initiation aus.
In frühen Kulturen war das gang und gäbe. Die ganzen Initiationen waren irgendwie auch mit Schmerz verbunden. Ob das jetzt immer vorteilhaft war, muss man ja so gucken.
Aber in gewisser Weise haben die lernen müssen, sich diesem Schmerz, der Wunde zu stellen. Und das erwirkt was.
Daniel:Ja, vielen Dank. Wir wollen uns, anders als in den sonstigen Podcast-Folgen, jetzt einer Struktur widmen, und zwar um die Archetypen mal vollumfänglich und möglichst gleichgewichtet zu beleuchten. Wir nähern uns also diesen Archetypen mal mit folgenden sieben großen Fragen.
Erstens, wieso existiert diese Bezeichnung, dieser Archetyp überhaupt? Also welche Grundbedürfnisse erfüllen diese Archetypen im Mann? Die zweite Frage, was zeichnet diesen Archetypen in seiner Reifenform aus?
Die dritte Frage, wie zeigt sich sein Schatten oder seine verzerrte Form? Die vierte Frage wäre, wie drückt er sich heute aus? Und wie hat er sich vielleicht früher ausgelebt?
Die fünfte Frage, was heilt oder integriert den Archetypen in uns? Und was schenkt er uns, als sechste Frage, wenn er gesund in uns integriert ist und gelebt wird? Und wie zeigt sich das als letzte Frage vielleicht im Alltag oder wie kann sich das zeigen?
Axel, wenn wir vom Heiler sprechen, du hast gerade schon ein paar Sachen erwähnt. Warum braucht ein Mann diese Kraft in sich überhaupt? Du hast gerade vom Prinzip der Wunde gesprochen.
Ist sie Teil seiner Reifung, seiner Menschlichkeit, seiner Fähigkeit vielleicht auch Verbindung zu schaffen, vor allem zu sich selbst? Und was passiert, wenn ein Mann diesen Teil in sich verloren hat?
Axel:Ja, also ich glaube, das ist und bleibt einer der größten Bereiche, die wir sozusagen für uns erforschen lernen dürfen. Wie kommt ein Mann auch in seine Kraft? Und ich würde sagen, ein Mann, der seine Wunde nicht erforscht hat, kommt auch nicht wirklich bei sich selbst tief an.
Viele Männer delegieren die Wunde. Das heißt, das, was in mir wirklich tief als eine Form oder in diesem Prinzip der Wunde und der Verletzungen liegt, delegiere ich und mache andere für mein Leid verantwortlich. Und das wäre noch so etwas wie ein Jungenbewusstsein.
Und das ist jetzt immer wieder keine Wertung, sondern diese Prozesse, die es ja braucht, damit ein Mann sozusagen auch in seine Wunde hinein initiiert wird und Kontakt dazu kriegt, um das, was sozusagen die Essenz auch von dem Heiler sein will, natürlich so auch in sein Leben fließen kann. Und das wäre das große, große Thema oder auch der Essenzaspekt, wenn die Männer sich lernen, der Wunde zu stellen. Und das ist ein Prozess, das ist nicht einmal durch und dann bin ich da, sondern das ist ein Bewusstsein zu bekommen, wie Wunde in mir immer wieder aktiv ist.
Und wenn ich das, so wie ich das meistens gelernt habe, die Wunde delegiere, komme ich nicht wirklich bei mir an. Das heißt, der Mann darf lernen, wirklich tief abzustreiten und den tiefsten Punkt seiner Wunde oder den Raum der Wunde zu betreten. Und wenn das geschieht und das auch in einem bestimmten Kontext, also wie viele Männer hungern danach, irgendwie unbewusst sich dieser Wunde stellen zu wollen, und es gibt kaum Möglichkeiten, wo sie damit wirklich in Kontakt kommen können.
Aber gesetzt den Fall Männer finden eine Form, wo das stattfinden kann, dann gewinnen sie durch diesen Prozess etwas wie so eine Essenz. Eine Essenz ist immer eine tiefe Wesensqualität, die wir haben. Und beim Heiler wäre eben halt das Mitgefühl, dass wir auf einmal lernen, mitgefühlend mit uns selbst zu sein und anerkennen, dass alles, was lebendig ist, sozusagen diesem Prinzip der Wunde ausgeliefert ist oder ausgesetzt ist.
Und in dem Augenblick, wenn wir alles erkennen, was um uns herum, ob es die Bäume sind, die Natur ist, die Menschen sind, die Kinder sind, die Frauen sind, wenn man erkennt, dass alle eine Wunde haben und aus dem eigenen Erforschungsprozess kriege ich dann Bewusstsein davon, dass alles vielleicht auch verletzt ist. Und wenn ich das anerkennen kann, schaue ich anders in die Welt, mit Sicherheit. Statt werdend, mitfühlend zu sein.
Statt verurteilend zu sein, mitfühlend zu sein. Das ist eine so große Qualität auch, ins Mitgefühl zu finden.
Daniel:Ist der Heiler eher jemand, der andere heilt oder jemand, der bereit ist, seine eigene Wunde zu spüren?
Axel:Ja, sowohl als auch. Das kann man, glaube ich, nicht trennen. Also mein Erleben wäre so, wenn ich mich selber meiner Wunde stelle und einen Kontakt dazu kriege und sie sozusagen, im besten Falle, man sagt ja, man braucht diese Zustimmung zu der inneren eigenen Verletzlichkeit und der Wunde.
Und wenn ich diesen Vorgang in mir initiieren kann, dann bin ich darüber schon letztendlich heilerisch tätig, weil ich sozusagen den Mitmenschen was signalisiere, wie man auch mit Wunde umgehen kann. Es gibt ja auch so Überlieferungen, gerade wenn es um diese schamanischen Formen ging. Die Schamanen, die mussten selber immer die Grenze des Todes irgendwie berühren.
Und darüber, über den Kontakt des Todes, haben sie ihre eigenen heilerischen Qualitäten aktiviert. Das heißt, das ist ein tiefer Punkt, den wir berühren, und da drinnen oder darüber geschieht in gewisser Weise Heilung. Ich sage immer, das Wort Heilung heißt wieder diesen Teil, wozu ich den Kontakt verloren habe, dass ich da wieder Kontakt gewinne.
Daniel:Wir nennen vielleicht jetzt im Laufe der Folge das Wort Heilung eher Ganzwerdung, wie du es eingangs genannt hast. Das finde ich eigentlich ganz passend. Was zeichnet denn den Heiler in seiner reifen Form aus?
Also ein Mann, der wirklich heilend wirkt. Woran erkennt man, dass Heilung nicht mehr aus Schuld, sondern aus seinem tiefen Bewusstsein heraus entsteht?
Axel:Naja, es gibt ja, wie gesagt, bestimmte Qualitäten, die der Heiler, wenn er gereift ist an diesem Punkt, auch in sich fühlbar leben oder erleben kann. Der Heiler hat so etwas wie eine Seelentiefe, dass er spürt die Tiefe seiner Seele. Dass er anerkennt oder spürt, wie verletzlich er selbst ist oder wie verletzlich die Welt ist.
Dann hat er natürlich eine bestimmte Qualität auch der Offenheit. Dann irgendwie auch eine Empfindsamkeit oder auch das, was natürlich in vielen Fällen, deswegen machen das ja auch viele Menschen in gewisser Weise in heilerischen Berufen, die schwingen mit, also die haben eine große Empathie. Aber das geht auch nur, wenn ein inneres eigenes Bewusstsein von der eigenen Verletzlichkeit oder man kann auch sagen von dem Prinzip der Wunde in uns als Bewusstsein abgelegt ist.
Daniel:Hast du noch andere Tugenden oder Werte oder Qualitäten, die der Heiler verkörpert? Du hast gerade schon gesagt Mitgefühl, Empathie.
Axel:Mitgefühl wäre Essenz. Seelenqualitäten oder Seelentiefe, diese Verletzbarkeit, das sind ja so Grundthemen, die uns ja in unserem Menschsein und auf unserem Lebensweg immer wieder begegnen. Ich glaube, das sind schon die prägnantesten Formen, die der Heiler in sich erwirken kann oder aktivieren kann.
Vielleicht auch das große Verständnis dieser Welt. Ich würde ja vertreten, dass Verletzung ein Prinzip ist, in dem wir uns in dieser Welt vorfinden. Ich würde nach wie vor sagen können, keiner, der hier in diese Welt, in diesen Raum reingeboren wird, entkommt dem Prinzip der Wunde.
Jetzt kann man ja gucken, wo fängt denn Wunde an? Was heißt denn überhaupt Wunde? Woran können wir bemerken, dass wir so etwas wie Wunde in uns tragen?
Man kann sagen, wenn man sehr weit zurückgeht, dass die Urwunde, wenn man es so nennen möchte, die Urwunde ist so, dass wir sozusagen aus dem Raum der Einheit in die Zweiheit fallen. Und das ist unser Geburtsprozess. Die natürlichste Wunde, die wir haben, die wir in uns tragen, ist sozusagen, wir erleben dann auf einmal etwas wie ein Erleben von Trennung, getrennt zu werden oder sich getrennt zu fühlen.
Man darf das wirklich tief zurückfühlen, was das heißt, wenn ein Wesen in einer tiefen Symbiose mit dem mütterlichen Prinzip heranreift. Und dann kommt dieser Prozess, der sagt, hier findet Veränderung statt, letztendlich Geburt als eine der größten Initiationen, die wir in unserem Leben erleben werden. Und dann geschieht genau der Prozess.
Wir erfahren, dass getrennt wird.
Daniel:Du sagst Mitgefühl. Was unterscheidet denn das Mitgefühl eines Mannes, der den Heiler integriert hat, vom Mitleid eines Mannes, der den Heiler nicht integriert hat?
Axel:Ja, das ist ein großer Unterschied. Mitgefühl oder Mitleiden. Mitleiden hat nie etwas Heilendes.
Also wem dient das Mitleiden? Keinem. Aber wenn ich diese Qualität in Mitgefühl zu sein, mit jemandem zu sehen, wie er gerade vielleicht in seinem Prozess steht, wo er wahrnehmen kann, wie ein Mensch Grenzen berührt, wo er vielleicht nicht mehr weiß, wie es weitergeht.
Anzuerkennen, ja, das ist ein Prozess und ich fühle mit dir, ist etwas anderes, als wenn ich in das Leid, was vielleicht der Mensch in dem Augenblick hat, mit einsteige. Und ich glaube, das ist ein großer Unterschied. Und viele neigen eher dazu, in dieses Mitleid zu finden.
Und das wäre vielleicht auch dieser Aspekt, der in diese Verzerrung oder in den Schattenaspekt fällt. Dann haben die eine hohe Opferbereitschaft oder auch ein großes Selbstmitleid, selbst in diesem Mitleid zu sein. Und in vielen Fällen gibt es viele Menschen, die haben so etwas wie ein Helfersyndrom.
Die wollen allen helfen und merken gar nicht, wie sie selber ausbluten. Also was ist dann die angemessene Hilfe oder Unterstützung, die es da braucht?
Daniel:Jetzt bist du gerade zur dritten Frage bereits umgeschwenkt, nämlich wie zeigt sich die verzerrte Form des Heilers? Du hast es schon gesagt, viele Männer, die helfen oder begleiten wollen, geraten irgendwann in diesen Schatten des Archetyps und sie versuchen dann zu retten. Statt mitzufühlen und den Prozess des Anderen mitzutragen vielleicht auch, wollen sie eher helfen oder reparieren, um halt selber nichts spüren zu müssen.
Kannst du einen Punkt benennen, an dem der Heiler zum Retter umkippt? Und was hat das denn eigentlich mit der eigenen ungelösten Wunde zu tun?
Axel:Man kann ja sagen, diese Strukturen, die sich so bilden, die dienen ja zu etwas. Und wenn ich irgendwie das Bild habe, ich muss allen helfen oder ich will allen helfen, dann braucht der Mensch letztendlich selber was. Das heißt, dann ist das so ein Bild, was ich so aktivieren kann.
Ich helfe jemanden in der Hoffnung, wenn ich jemandem helfe, dann werde ich auch geholfen. Und das ist leider auch so ein Trugschluss. Man kann ganz viele Menschen, die eine unglaubliche Opferbereitschaft haben, ihr ganzes Leben für jemanden opfern und gehen und bleiben oder kommen selbst oder gehen letztendlich selbst am Stock und kommen nicht mehr auf die Beine.
Wie sie sich in einer unglaublichen Weise aufopfern, dann kann man sich fragen, wozu tun die das denn? Und so wie ich das verstehe, ist dahinter immer auch ein Bedürfnis, wenn nicht sogar auch ein Anspruch, über das Tun etwas selber bekommen zu wollen. Und das ist ja erstmal menschlich als eine Form der Überlebensstruktur oder Strategie ja gut nachvollziehbar.
Das sind ja zum Beispiel diese Aspekte, wie wir früh lernen, mit der Wunde einen Umgang zu finden. Wenn ich Selbsthilfe brauche, es kommt aber nicht, dann fange ich an, jemandem zu helfen, in der Hoffnung, dass wenn ich jemandem helfe, hilft mir auch jemand. Und was ja auf jeden Fall immer so eine Begleiterscheinung der Verletzung ist, der Wunde ist, über und durch Verletzung geraten wir auch in einen Strudel des Mangels.
Uns fehlt auf einmal was, scheinbar. Wir fühlen Mangel. Mangel an Beachtung, Mangel an Wärme, Mangel an Liebe und so weiter und so weiter.
Wie will denn so ein Wesen, auch so ein frühes Wesen darauf reagieren? Außer, dass es versucht, sich anzupassen, der Umwelt anzupassen, den Umständen anzupassen, um darin sozusagen etwas erwirken zu können für das, was er selber braucht. Und daraus entstehen ja sozusagen die ganzen Überlebensstrukturen.
Die, die viel geben, brauchen selbst viel. Das ist irgendwie eine schöne Metapher. Die, die viel geben, brauchen selbst viel.
Nur das dürfen sie sich nicht eingestehen, dass sie selber brauchen. Sonst würde sozusagen ja die eigene Wunde aufbrechen. Ja, vielleicht mal so.
Daniel:Ja, du hast es gerade schon gesagt, also ein Stück weit angerissen. Gibt es denn eine konkrete Gefahr in der Projektion, ich heile andere, weil ich mich selbst nicht heilen kann?
Axel:Naja, ich meine, man kann sich ja mal umgucken, welche Leute sich alle so als Heiler bezeichnen. Und sicherlich gibt es da große Unterschiede. Aber ich glaube, in dem Augenblick, wenn ich meine eigene Wunde nicht integriert habe, missbrauche ich die anderen.
Dann ist das wie eine Form von Missbrauch. Ich weiß, wie es geht. Ich sage dir, du musst das so machen und dann wirst du heilen.
Also das ist für mich immer auch sehr schwierig nachzuvollziehen. Und das ist natürlich immer auch zu erforschen, wie tief ein Mensch seine Wunde wirklich integriert hat. Wir können immer gucken, egal auf welche Ebene wir schauen, immer da, wo etwas in uns emotional reagiert, entweder mit Wut, mit Ärger, mit Trauer oder Verzweiflung, kann man davon ausgehen, dass die Wunde noch lebendig ist.
Also uns immer noch wieder ein, der zu reagieren. Und wenn wir ein Bewusstsein davon haben und spüren, wie wir auch ein Teil unserer Wunde sind und müssen das nicht mehr nach außen delegieren oder in gewisser Weise, in einer guten Weise, nicht mehr darauf reagieren. Ich meine, es gibt so viele Klassiker.
Das wirst du kennen, das kenne ich gut. Zwischenmenschlich, wie schnell aktivieren unsere Partner, Partnerinnen unsere Wunde. Ich fühle mich nicht geliebt, fühle mich nicht gesehen, fühle mich nicht geachtet und so weiter.
Ich kriege nicht die Unterstützung. Das ist alles schon auch Ausdruck von dem, was wir Wunde nennen. Und da wird es spannend.
Wie lerne ich diesen Impuls, der ständig nach etwas drängt oder hinaus will, wie kann ich lernen, diesen Impuls bei mir zu belassen, also in mir zu bleiben und spüren kann, und das ist ja wirklich ein großer Bereich, wie und in welcher Weise haben wir jemals gelernt, unsere Wunde auch zu fühlen, also auch in den Raum der Wunde einzutreten und zu fühlen, wie wir da verletzt sind. Da geht ja keiner freiwillig hin. Man sagt ja, super, wo ist meine Wunde?
Nein, das Leben sorgt dafür. Das Leben sorgt dafür, dass wir uns früher oder später mit diesem Prinzip oder auch mit dieser Wirklichkeit der eigenen Wunde lernen dürfen, auseinanderzusetzen, sie zu erforschen. Und der Robert Bly ist ja auch so ein Klassiker, der hat ja so einen schönen Satz geschrieben, durch das Tor der Wunde.
Damit macht er deutlich, dass die Wunde ein Tor ist, durch den wir lernen dürfen, hindurchzutreten oder hineinzutreten. Das ist der initiatische Prozess. Ich stelle mich meiner Wunde und gehe in diesen Raum der Wunde rein und dadurch gewinnen wir einen tieferen Kontakt zu unserer Wunde selbst.
Und gleichzeitig erwirkt es so etwas wie einen heilenden Aspekt, weil wir die Wunde nicht mehr auslagern, sondern wir verbinden uns mit diesem Prinzip der Wunde oder der Wunde selbst. Und das hat eben diese heilerische oder heilsame Bewegung unserer Seele. Und er sagt das, durch das Tor der Wunde bringt das gewaltige Reich der Seele wieder ein.
Und das offenbart, so wie ich das verstehe, dass wir eben, wenn man auf diese Urwunde schaut, dass wir etwas erfahren, wie ein Erleben von sich getrennt zu fühlen. Das ist die Urwunde, auf die wir uns berufen können. Und dann gibt es natürlich auch ganz viele persönliche Wunden, die geschlagen werden durch die Eltern, Vater, Mutter oder vielleicht auch durch Gott, wo wir merken, wir werden mit diesem Prinzip der Wunde konfrontiert.
Daniel:Hast du denn ein Beispiel für einen Mann, bei dem der Archetyp des Heilers komplett abgespalten ist, der absolut gar keinen Kontakt zu den Qualitäten hat, die der Heiler mitbringt?
Axel:Es werden ganz viele mit ihrer Wunde noch nicht in Kontakt sein. Das wäre eher mein Erfahrungsraum. Und solange die ja nicht sich dieser Wirklichkeit lernen zu stellen, haben sie auch kein Bewusstsein von Wunden.
Frag mal jemanden, wie bist denn du verletzt? Alleine mal so eine Frage zu stellen, wie bist denn du verletzt in dieser Welt? So eine Frage mal zu stellen.
Freunde, vielleicht auch der Partnerin. Ich finde es sowieso wichtig und bedeutsam, dass man gerade, wenn man in Beziehung ist, herausfindet und im besten Falle auch gemeinsam erforscht, wie jeder verletzt ist. Weil dadurch sich etwas offenbart.
Nämlich die ganzen Verhaltensweisen, vielleicht auch Denkstrukturen, Fühlstrukturen, die sind geprägt und grundgelegt aus dieser ganz frühen Erfahrung. Und ich finde das ganz heilsam, zu wissen, wie mein Partner oder meine Partnerin verletzt in dieser Welt ist. Dann kriege ich zumindest ein bisschen ein Bewusstsein und kann nachfühlend oder mitfühlend sein, wie verrückte Menschen manchmal reagieren oder sich verhalten.
Daniel:Ja, soviel zum theoretischen Teil des Heilers. Früher war der Heiler ja oft eine heilige Figur. Also Schamane, Druide, Priester, Medizinmann.
Heute sind Männer in dieser Energie oft eher so im Bereich Coaching, Therapeut oder so angesiedelt. Vielleicht auch Ärzte, Pflegekräfte etc. Was hat sich denn verändert?
Also wenn ich mir das anschaue von der alten Betrachtungsweise, das waren ja sehr hochrangige Persönlichkeiten. Die wurden geehrt, denen wurden Opfer dargebracht usw. Heute befinden sich diese Menschen eher in so einer untergeordneten Rolle.
Also gesellschaftlich nicht mehr so anerkannt. Wie ist uns das denn verloren gegangen?
Axel:Das muss man vielleicht auch ein bisschen differenzieren. Ich glaube schon, dass es immer noch so Rollenbilder gibt wie Ärzte, die immer noch diesen unglaublichen Status haben. Und das stimmt in gewisser Weise auch.
Also das hat sich irgendwie weitergetragen. Man sagt ja, die Götter in Weiß. Allein so ein Begriff.
Man war ja mit einer Ärztin verheiratet. Klar, die haben natürlich diese Qualitäten auch. Das lernen die auch.
Das ist ja auch gut so. Die Frage ist immer auch, für mich wichtig, auf welcher Ebene ist man heilerisch tätig? Was ist das für eine Ebene, wo ich einwirke oder wo ich irgendwie Unterstützung gebe?
Du sagst es ja auch, klar sind das Therapeuten, die natürlich auch ein Bewusstsein, im besten Fall auch ein Bewusstsein von ihrer eigenen Wunde haben, von ihrer eigenen Verletzlichkeit. Darüber und dadurch werden wir ja auch, deswegen war das ja auch so, und ich glaube, da hat sich auch nichts verändert, wenn wir lernen, uns der inneren eigenen Wunde zu stellen, wirken wir darüber auch etwas sehr Heilsames, auch für unser Umfeld. Dann sind wir schon heilend.
Da muss man nichts Besonderes machen. Und natürlich gibt es verschiedene oder unterschiedliche Formen, die sich natürlich dann auch in bestimmten Rollen irgendwie wiederfinden. Ich meine, Schamanen, wie du schon sagst, das waren alles hoch angesehene Menschen.
Wodurch waren die so hoch angesehen? Weil die natürlich ein tiefes Wissen auch um dieses Prinzip vielleicht hatten von Wunde. Die haben das ja nicht verleugnet, sondern die haben in gewisser Weise die Menschen vielleicht auch dahin geführt und hineingeführt, also initiatisch auch in den Raum der Wunde.
Damit etwas heilen kann. Und das ist wie in all den Dingen, glaube ich, Daniel, wenn wir auf Veränderung schauen, wenn wir auf bestimmte Qualitäten schauen, ich würde sagen, in all diesen Dingen brauchen wir Bewusstsein für etwas. Also meine Erfahrung ist, Veränderung oder Wachstum ist ohne Bewusstsein nicht wirklich möglich.
Das ist irgendwie aufeinandergeknüpft.
Daniel:Du hast gerade gesagt, die Heiler führen die Menschen in einen Raum. Früher waren Heiler ja oft Vermittler zwischen den Welten. Welche Rolle spielt denn diese Vermittlerkraft heute noch?
Axel:Ja, ich meine, dann sind wir vielleicht auch wieder bei diesen Begrifflichkeiten.
Ein heilsamer Mensch, der hat so etwas wie eine Intuition, also die greifen vielleicht auch auf Räume zu oder auf Energien zu, über die sie sich so öffnen gelernt haben, worin sicherlich auch eine gute heilerische Qualität liegen kann. Und ich glaube, das Prinzip ist ja immer noch gleich geblieben. Wie viel Bewusstsein haben wir auch von diesen unterschiedlichen Ebenen, ich sage jetzt mal unterschiedlichen Ebenen, man könnte auch sagen von den unterschiedlichen Welten, aber für mich ist es mehr so, das sind unterschiedliche Ebenen, in denen wir uns bewegen können oder wo wir auch ein Bewusstsein oder einen Kontakt zu erwirken können.
Und ich glaube, das Prinzip an sich hat sich auch nicht wirklich viel verändert. Es gibt wirklich Menschen, die können in diese Räume hineinfühlen und das ist ja mehr so ein Fühlen als ein Wissen und sich da auch vielleicht mit Kräften verbinden, die sozusagen dann wieder für einen bestimmten Prozess auch heilsam für Menschen sein können.
Daniel:Wie würdest du sagen, hat sich die männliche Heilenergie verändert, seit Männer ihre Spiritualität oder den Kontakt zu ihrer Spiritualität eher verloren haben in den letzten Jahrhunderten?
Axel:Oh, das ist eine Frage, ich glaube, die kann ich gar nicht beantworten. Was hat sich da verändert? Also ich kann eher immer nur im besten Falle bei mir zuerst schauen und würde sagen, also durch meinen Weg, den ich gegangen bin, als ich gerade das Thema Spiritualität und auch diese Prozesse, ich sage jetzt mal der Heldenreise, doch sehr vertieft zu sehen, was heißt das eigentlich, den eigenen Weg zu gehen, mit welchen Herausforderungen werden wir oder bin ich da auch konfrontiert worden und so weiter. Und Spiritualität wird ja auch immer schnell genommen, auch das braucht ja vielleicht mal eine Definition. Was heißt denn Spiritualität?
Manche erhöhen das unglaublich, manche sagen, habe ich nichts mehr zu tun, so, existiert gar nicht und so. Da hat ja jeder vielleicht seine Sicht darauf, was sich vielleicht mit Spiritualität verbindet. Ich für mich würde sagen, es gibt eben halt diese drei Ebenen, wo wir lernen dürfen, die wir auch in unserem Menschsein sind, das ist Körper, Seele, Geist, das ist so ein gängiges Modell, dem kann ich noch immer so am nächsten, am nahesten kommen.
Sagen, ja, da kann ich mich wiederfinden und das ist eben nicht getrennt voneinander. Wir erleben das sehr häufig getrennt. Sind wir wieder bei dem Prinzip der Wunde, die Wunde hat immer was Trennendes.
Wir verlieren vielleicht auch den Kontakt zu dem, was wir Wert nennen können, Wert sein. Es gibt auch einen schönen Begriff, fällt mir gerade so ein, die Würde der Wunde, was die Wunde sozusagen in einem selbst auch aktiviert, wenn es um die Würde und den Wert des Menschen geht. Viele sagen ja auch, die Wunde macht uns in der Einzigartigkeit auch aus, die Wunde macht uns aus, weil darin wieder bestimmte Qualitäten irgendwie sich entwickeln können.
Ich sage ja auch immer so, dass im Kontakt zur Wunde bestimmte Qualitäten entstehen. Aber solange wir die noch in der Struktur sozusagen halten, wird diese Kraft oder dieses Potenzial nicht wirklich freigesetzt. Das heißt, wenn wir lernen, uns der Wunde zu stellen, das ist immer eine schöne Metapher, dann fließt etwas zu uns und die Wunde wird fruchtbar.
Die Wunde wird für uns und unser Leben fruchtbar, natürlich auch für unser Umfeld.
Daniel:Weil du gerade das Umfeld ansprichst, glaubst du, unsere Welt würde anders aussehen, wenn mehr Männer ihren Heiler integriert hätten?
Axel:Auf jeden Fall. Ich meine, wenn dieses Prinzip sich in unser Bewusstsein sozusagen wieder in einer größeren Weise aktivieren würde, dann sind wir ja bei diesem Begriff, wenn ich wirklich mitfühlend bin, kann ich kein Leid zufügen. Dann gäbe es vielleicht im besten Falle gar keine Kriege.
Aber dadurch, dass wir ja sozusagen abgeschnitten oder keinen Kontakt zur Wunde haben, verletzen wir unaufhörlich immer weiter. Das heißt, es ist wie so eine Welle, die sich immer weiter trägt, weiter trägt, weiter trägt. Nun kann man ja auch sagen, wenn man so auf männliche Entwicklung schaut, Robert Bly schreibt ja auch von der Achsseite, also von der Vaterwunde, wie der Vater sozusagen seine eigene Wunde, wenn er die sozusagen nicht integriert hat, irgendwie mehr oder weniger an den Sohn weitergibt und der Sohn vielleicht wieder zu seinem Sohn weitergibt.
Das Prinzip wird sich sozusagen sowieso weiter fortsetzen. Aber in welcher Weise, das ist eine ganz spannende Frage. Und wenn der Vater sozusagen seine eigene Wunde lernt zu integrieren, wird er anders auf die Wirklichkeit des Sohnes schauen oder generell auf die Menschen schauen.
Daniel:Jetzt sind wir schon bei dem Thema Lernen, die eigene Wunde zu integrieren. Wie integriert denn ein Mann den Heiler in sich? Wie kommt er in Kontakt damit?
Also viele Männer, die in dieser Energie wirken, kümmern sich ja um alle, aber nicht nur um sich selbst, also nur nicht um sich selbst. Und was heilt also den Heiler in uns selbst? Wie kann ein Mann lernen, bei sich zu bleiben, während er gleichzeitig aber auch noch für andere da ist?
Axel:Tja, das ist eine spannende Frage, indem er das einfach übt und sich gewissen Räumen aussetzt, wo genau diese Prozesse stattfinden können. Und auch da würde ich wieder sagen, es braucht ein Bewusstsein auch für die eigene Wunde. Wenn ich spüre und weiß, wie ich verletzt bin, dann übe ich im Halten nicht mehr so selbstverständlich, der Struktur freizugeben, dass sie auf alles und auf jedes reagiert.
Das ist schon fast wie so eine Kriegerqualität, das nennt man auch dann Impulskontrolle. Dass da, wo meine Wunde durch äußere Trigger irgendwie aktiviert werden, dass ich das nicht einfach freigebe, sondern das Containment habe, also diesen inneren Fassungsraum, mit dieser Wirklichkeit meiner Wunde und mit der Emotion, die sich sozusagen ausdrücken muss scheinbar, bei mir bleiben zu können. Das wäre eine große Qualität.
Und ich glaube, in dem Augenblick, wenn das wirklich mehr und mehr und auch durch Prozesse in dem Bewusstsein integriert ist, entsteht auch etwas so wie Freiheit in uns. Ich muss nicht mehr selbstverständlich impulshaft immer das Gleiche machen, wenn ich getriggert werde. Und man kann ja auch ein Leben lang den Eltern vorwerfen, wenn wir jetzt wirklich von Wunde sprechen, dann können wir in vielen Fällen, wenn wir zurückschauen, die Wunde auch in dem Kontakt zu den Eltern wiederfinden.
Entweder näherend, unterstützend oder auch zerstörerisch, verletzend, also verletzend auch häufig körperlich oder auch seelisch oder auch körperlich, wie dann solche Prozesse sozusagen sich in die Seelenstruktur des Kindes, in der Weise des Wesens, irgendwie so eingräbt. Und dann können wir natürlich ein Leben lang daran festhalten und sagen, weil meine Mutter und weil mein Vater und weil Gott. Das ist auch ein Aspekt, Lernen zu unterscheiden.
Und ich glaube, das geht nur, wenn wir lernen, dass Wunde ein Prinzip ist. Wir können uns dem annähern, also annähern auch, diesen Raum der Wunde wirklich zu betreten. Und das hat ja immer viel mit Schmerz zu tun, viel mit Schmerz und in vielen Fällen dürfen wir lernen, uns durch diesen Schmerz erstmal hindurchzufühlen.
Und das ist kein angenehmer Zustand, ernster Weise. Ich habe vorhin schon mal gesagt, keiner geht vielleicht freiwillig, also wer geht schon freiwillig in diesen Raum der Wunde, wo es zutiefst auch unangenehm ist, wo es herausfordernd ist, wo jede Zelle sagt, bloß weg hier, ich will das nicht, ich will das nicht fühlen. Und ich glaube, diese Qualität, wieder in diese Seelentiefe zu kommen, heißt auch, diese Empfindsamkeit für die Wunde, also auch das Fühlen im Moment wieder zu aktivieren.
Wie ich fühlen kann und lerne, mich dieser Wunde, und das ist manchmal sehr, sehr, sehr, sehr herausfordernd, wenn man auch so körperdynamisch arbeitet und gerade auch mit dem Wundenprinzip arbeitet, dann kommen da zum Teil ja unglaubliche Emotionen auch zum Vorschein. Wut, Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht, bis zur Mordslust, also Lust der Zerstörung, irgendwie keinen Raum zu geben. Also merkt man, wie aufgeladen das Prinzip der Wunde ist.
Und wir haben alle gelernt natürlich, diese Wunde zu kontrollieren oder zu unterdrücken oder abzuspalten.
Daniel:Du hast gerade gesagt, der Krieger kann sehr hilfreich sein, um zum Beispiel ein paar Qualitäten des Heilers zu unterstützen. Gibt es noch andere Archetypen, die helfen, ihn zu balancieren oder die eine gute Synergie mit dem Heiler eingehen?
Axel:Ja, wenn man jetzt auf diese archetypischen Grundbilder geht, die sind ja letztendlich nicht voneinander getrennt. Aber man kann nicht sagen, der Krieger steht nicht für sich alleine, sondern die sind letztendlich alle miteinander verwoben und verbunden. Und insofern unterstützen die sich natürlich gegenseitig, ob es jetzt der Krieger ist oder der wilde Mann oder der Liebhaber oder der Magier oder der König, aber die sind nicht voneinander losgelöst.
Wenn der Krieger nicht um seine Wunde weiß, dann wird er zerstörerisch, dann wird er verletzt. Im Hintergrund der Verletzung wird er eben genau lernen, zu unterscheiden, wie viel Kraft er einsetzt und ob es um den Kampf geht oder nicht geht. Man kann ja auch sagen, der Krieger hat ja die große Qualität der Unterscheidungskraft, welchen Kampf er annimmt oder welche Herausforderung und welche nicht und so weiter.
Da werden wir uns ja dem auch mal wieder annähern. Aber letztendlich sind die nicht voneinander getrennt, das wollte ich sagen.
Daniel:Ich hätte noch eine Frage. Wie kann der Heiler lernen, nicht ständig geben zu müssen, um sich wertvoll zu fühlen?
Axel:Ja, das ist ja die Frage nach Mangel. Wenn ich etwas versuche, über diese Form oder über den Archetyp zu bekommen, bin ich noch in einer gewissen Form der Abhängigkeit und dann kann das niemals heilsam sein. Da sind wir wieder bei dem großen Thema, der Heiler weiß um seinen Wert.
Daniel:Das ist ein schöner Übergang zur Frage Nummer sechs. Was schenkt denn der integrierte Heiler einem Mann, wenn er gesund gelebt wird? Also wenn der Heiler im Mann gereift ist, was verändert sich dann in seinem Leben?
Welche Haltung entsteht, wenn Mitgefühl, Klarheit und Stärke sich verbinden?
Axel:Ja, vielleicht gewinnt er für sich ein tieferes, zufriedeneres und friedvolles Leben. Auch erfüllt. Wenn ich gerade dieses große Thema lerne, zu integrieren, das ist immer so ein Wort, was heißt das eigentlich, dass ich das nicht mehr nach außen bringe, sondern mich selbst mit mir selber an diesem Punkt lerne zu verbinden.
Daniel:Welche Wirkung hat denn ein geheilter Mann auf andere Menschen, in seiner Familie, Beziehung, Gemeinschaft?
Axel:Das kommt vielleicht ein bisschen unterschiedlich auf den einzelnen Menschen an, aber ich glaube, etwas, was vielleicht so wie ein Begriff durchziehen kann, ist vielleicht, in Liebe zu sein, im Mitgefühl zu sein, unterstützend zu sein, wohlwollend zu sein, sowas.
Daniel:Das sind ja schöne Werte, ne? Auf jeden Fall. Zum Schluss, wie lebt sich der Heiler konkret?
Wie kann ein Mann im Alltag heilend wirken? Wie kann ein Mann im Alltag, in unserer heutigen Welt, seine heilerische Energie leben? Ohne eben im Helfersyndrom oder als Retter in Selbstaufgabe zu enden.
Wie drückt sich der Heiler in alltäglichen Beziehungen aus? Und welche Grundhaltung bringt ein Mann mit im Alltag? Du hast gerade schon ein paar Qualitäten aufgezählt, die fand ich sehr wertvoll.
Axel:Naja, ich meine, es ist ja vielleicht mehr so ein Grundbegriff, und ich glaube, da wird man immer wieder draufstoßen, wenn wir uns wirklich mit dem Prinzip der Wunde auseinandersetzen. Dieses Mitgefühl ist eine so tiefe Wesensqualität. Also wenn ich da wirklich gelernt habe, mich in dieser Wesensqualität zu ankern oder zu verbinden, dann wirst du als Mensch, als Mann, Mann oder Frau anders wahrgenommen.
Das heißt, das Heilsame entsteht aus diesem Prozess, aus dir selbst heraus. Und das sind natürlich immer auch bestimmte Qualitäten, die im Verhalten sind, vielleicht in diesem Mitfühlen, auch im emotionellen Raum. Also ich glaube, das kann man auch nicht trennen.
Und ich sage mal, die besten – blödes Wort, streichen – es geht nicht um die besten. Die Wirkung dessen, wenn ein Mann wirklich oder eine Frau sich mit dieser Wunde verbunden hat, entsteht so etwas wie Gelassenheit, Interesse, Friedenheit. Da sind jetzt so die ganzen Essenzaspekte aufgestellt.
Stärke, das Erleben von Freiheit, Wahrheit. Das sind alles Essenzaspekte von den verschiedenen Archetypen. Und ich glaube, das macht uns ja in der Ganzheit des Menschen letztendlich dann auch aus.
Daniel:Ich glaube, wir haben jetzt ein ganz gutes Bild vom Archetypen des Heilers bekommen. Ich habe ChatGPT gefragt. Welche historische Figur verkörpert den Archetypen des Heilers in seiner Perfektion?
Hast du eine Idee, welche Person mir ChatGPT ausgespuckt hat, auf die Frage nach dem perfekten Heiler? Nee. Jesus von Nazareth verkörpert offensichtlich den Archetypen des Heilers in seiner Perfektion.
Jesus trägt den Schmerz der Welt in sich, lässt sich selbst verwunden und verwandelt Leid in Heilung. Er zeigt, dass wahre Heilung durch Hingabe, Mitgefühl und die Transformation eigener Wunden entsteht. Seine Heilungen sind nie bloß körperlich, sondern immer Ausdruck einer tieferen Wahrheit.
Er erkennt die Ursache des Leids im Getrenntsein von Gott und führt den Menschen zurück in die Ganzheit. Du sprichst ja die ganze Zeit schon von der ursprünglichen Wunde, die jeder Mensch in sich trägt, nämlich dieses Gefühl von Trennung. Und Jesus heilt nicht nur sich selbst, sondern befähigt, andere zu heilen.
Und das, finde ich, ist hier, glaube ich, die größte Botschaft, gibt dieses Zitat aus der Bibel. Ihr werdet größere Dinge tun als ich. Und für mich ist das die reifste Form des Heilers.
Nicht mehr der Mittelpunkt zu sein, sondern anderen ermöglichen, dieses Prinzip des Ganzwerdens auch in ihnen zu finden. Ja, sehr schön formuliert, das stimmt. Darüber hinaus gibt es noch drei andere Figuren, die mir ChatGPT ausspuckt.
Erstens Asklepios aus der griechischen Mythologie, der Gott der Heilkunst, dessen Symbol ja der Eskulapstab bis heute für Medizin steht. Buddha, der Ganzwerdung durch Bewusstwerdung versteht oder lehrt. Und Franz von Assisi, der durch Liebe und Demut Heilung in Mensch, Tier und Natur brachte.
Aber in seiner Ganzheit als Menschmystikon, Symbol des Göttlichen, steht Jesus da wohl sehr einzigartig dar. Ja, Axel, das war eine runde Folge, glaube ich. Hast du den Männern noch etwas mitzugeben aus Sicht des Archetypen des Heilers?
Axel:Ja, es gibt nur einen Satz. Mut zur Wunde. Mut zur Wunde.
Daniel:Danke. Männer, stellt euch euren Wunden, wenn ihr Impulse dazu braucht. Ein guter Anlaufspunkt ist auf jeden Fall das Männercamp 107, das im nächsten Juni wieder stattfindet.
Infos dazu findet ihr in den Shownotes. Dann sehen wir uns in der nächsten Folge zum Vater. Ich danke dir, Axel.
So soll es sein. Danke dir auch, Daniel. Bis später.
Ciao.